Reihenzähler an der Brother Strickmaschine richtig einstellen und nutzen

Reihenzähler an der Brother Strickmaschine richtig einstellen und nutzen

22. April 2026. Ich sitze hier in meiner Küche in Augsburg, der Kaffee ist schon wieder kalt geworden und ich starre auf zwei Ärmel, die eigentlich Zwillinge sein sollten. Eigentlich. Aber der linke sieht aus, als wäre er für einen Basketballspieler gemacht, und der rechte... naja, eher für mich. Es ist dieser Moment, in dem man am liebsten alles in die Ecke pfeffern würde, weil man sich sicher war, dass man im Kopf richtig mitgezählt hat. Spoiler: Habe ich nicht.

Nachdem ich im Frühjahr 2025 diese alte Brother für 60 Euro auf dem Flohmarkt ergattert habe, dachte ich wirklich, das Zählen wäre mein kleinstes Problem. Aber nach den ersten drei Wochen voller Knoten und Frust habe ich gemerkt: Ohne dieses kleine Plastikkästchen, das oben auf der Maschine thront, bin ich aufgeschmissen. Inzwischen habe ich bestimmt schon über hundert Stunden an dem Teil verbracht und ein kleines Vermögen für Wolle ausgegeben – ich glaube, es sind jetzt insgesamt knapp 180 Euro, wenn ich die Fehlkäufe mitrechne.

Warum mein linker Ärmel länger ist als der rechte (und was der Zähler damit zu tun hat)

Es war an einem grauen Novemberabend, als ich dachte: Ach, die 80 Reihen für den Ärmel, die merkst du dir locker. Ich hab beim Stricken nebenbei Radio gehört, ein bisschen geträumt und plötzlich war ich mir nicht mehr sicher. War das jetzt Reihe 45 oder 54? Man kennt das ja vom Häkeln – da kann man zur Not die Maschen zählen, wenn man sich verhauen hat. Aber an der Strickmaschine? Wenn das Gestrick da so plattgedrückt unter den Gewichten hängt, ist das Zählen der Reihen eine absolute Strafarbeit.

Das Ergebnis war das besagte Ärmel-Desaster. Ich habe gelernt: Der Reihenzähler an meiner Brother ist kein Deko-Objekt, sondern mein wichtigster Verbündeter. Er ist eine rein mechanische Angelegenheit, ein bisschen wie ein alter Kilometerzähler beim Auto. Er hat drei kleine Rädchen, die von 000 bis 999 zählen können. Das klingt erst mal nach viel, aber wenn man erst mal im Flow ist, rattert man da schneller durch, als man denkt.

Nahaufnahme des mechanischen Reihenzählers einer Brother Strickmaschine mit der Anzeige 004.

Die Suche nach dem Klick: Wie man das Ding überhaupt befestigt

Anfangs dachte ich, der Zähler wäre kaputt. Er bewegte sich einfach nicht! Ich schob den Schlitten hin und her, aber die Zahlen blieben stur auf Null. Ich war kurz davor, das Teil als Fehlkauf abzustempeln. Aber wie das so ist: Meistens sitzt der Fehler 30 Zentimeter vor der Maschine. Ich hatte den Zähler nämlich nicht richtig in die Halterung geschoben. Er muss in eine spezielle Nut am hinteren Rand des Nadelbetts einrasten. Wenn er nur so halb drinsteckt, erreicht der Schlitten ihn nicht.

Und dann war da dieser eine Moment, kurz vor Ostern, als ich eine Stunde lang fleißig gestrickt habe und am Ende feststellen musste, dass der Zähler immer noch auf 004 stand. Ich hätte heulen können. Ich hatte ihn zwar in der Schiene, aber nicht fest genug nach hinten gedrückt. Man muss wirklich sicherstellen, dass er stabil sitzt, sonst verpasst er den Kontakt zum Schlitten. Es ist ein bisschen wie beim Einrasten von Tupperware – wenn es nicht 'Klack' macht, ist es nicht zu.

Wenn ihr auch solche Probleme habt, dass der Schlitten sich komisch anfühlt oder hakt, schaut mal in meinen Bericht darüber, was ich gemacht habe, als mein Schlitten klemmt an der Strickmaschine – oft hängt das alles mit der richtigen Positionierung zusammen.

Der kleine weiße Hebel: Das Herzstück der Mechanik

Damit der Zähler überhaupt weiß, dass wir eine Reihe gestrickt haben, braucht er einen Impuls. Bei der Brother KH-Serie (ich hab ja den Standardstricker mit einem Nadelabstand von 4,5 mm) gibt es an der Rückseite des Schlittens einen kleinen weißen Kunststoffhebel. Jedes Mal, wenn der Schlitten am Zähler vorbeifährt, drückt dieser Hebel einen Metallstift am Zähler nach unten. 1 Klick pro Schlittenpassage. Ganz einfache Mechanik.

Was ich erst viel später kapiert habe: Wenn man den Schlitten für irgendwelche Reinigungsarbeiten abnimmt oder den Abstreifer wechselt, kann es sein, dass man diesen Hebel versehentlich einklappt. Dann fährt der Schlitten zwar brav am Zähler vorbei, aber nichts passiert. Also immer kurz prüfen: Steht der kleine 'Flipper' hinten am Schlitten auch wirklich raus? Ohne den Kontakt gibt es keine Zählung, so einfach ist das.

Der kleine weiße Hebel an der Rückseite des Strickschlittens, der den Zähler aktiviert.

Warum "fast drüber" beim Schlitten nicht zählt

Das war mein größter Aha-Moment: Das helle, metallische Klicken des Zählers ertönt erst, wenn man den Schlitten mit Schwung ganz nach außen führt. Ich war am Anfang oft zu vorsichtig. Ich hab den Schlitten nur gerade so über die letzte Nadel geschoben und dann sofort wieder umgedreht. Aber der Zähler sitzt meistens ein Stück außerhalb der eigentlichen Strickbreite.

Man muss also über die sogenannte Wendemarke hinausfahren. Erst wenn es 'Klick' macht, hat das Rädchen eins weitergedreht. Wenn man zu früh umdreht, strickt man zwar die Reihe, aber der Zähler bekommt es nicht mit. Das ist mir am Anfang ständig passiert, besonders wenn ich schnell fertig werden wollte. Man muss der Maschine ihren Rhythmus lassen. Inzwischen ist dieses Klicken für mich wie ein Taktgeber – fast schon meditativ, wenn alles flutscht.

Wer übrigens wie ich anfangs völlig verwirrt vor der Technik steht, dem kann ich nur empfehlen, sich mal mit dem Innenleben zu beschäftigen. Mir hat es total geholfen zu sehen, wie die Nadeln eigentlich arbeiten. In meinem Artikel darüber, wie die gläserne Strickmaschine funktioniert, beschreibe ich das mal aus meiner Anfänger-Sicht.

Meine Checkliste für den Reihenzähler:

Mein Geheimtipp: Warum ich trotzdem manchmal zur Strichliste greife

Jetzt kommt der Punkt, der vielleicht ein bisschen unprofessionell klingt, aber mir den Hintern gerettet hat: Vertraut dem mechanischen Zähler nicht blind, wenn es kompliziert wird! Wenn ich einfache glatt-rechts Stücke stricke, ist der Zähler super. Aber sobald ich mit Lochkarten oder Mustern anfange, bei denen man auch mal Reihen ohne Wolle schiebt oder etwas korrigieren muss, kommt der mechanische Zähler schnell durcheinander.

Warum? Weil er jede Schlittenbewegung zählt, egal ob man gerade wirklich eine Reihe strickt oder nur den Schlitten in Position bringt. Deshalb führe ich bei Mustern immer noch eine manuelle Strichliste auf Papier. Das klingt altmodisch, aber wenn man einmal drei Reihen zurückstricken musste, weiß man nicht mehr, ob man den Zähler jetzt manuell zurückgedreht hat oder nicht. Das Papier lügt nicht. Besonders wichtig ist das auch, wenn man vorher eine ordentliche Maschenprobe an der Strickmaschine gemacht hat und genau weiß, wie viele Reihen man braucht.

In meinem Lerntagebuch steht für diese Woche: 6 Stunden gestrickt, 0 Euro ausgegeben (Wollvorrat aufgebraucht!), und endlich zwei Ärmel produziert, die wirklich gleich lang sind. Ein kleiner Sieg für Marlies, ein großer Sieg für die Symmetrie! Der Reihenzähler und ich sind jetzt per Du, auch wenn er mich manchmal immer noch mit einem fehlenden Klick ärgern will.