Reihenzähler an der Brother Strickmaschine richtig einstellen und nutzen

Reihenzähler an der Brother Strickmaschine richtig einstellen – mechanisches Zählwerk für Anfängerinnen beim Maschinenstricken

Der linke Ärmel würde locker einem Basketballspieler passen, der rechte reicht gerade so für meinen eigenen Arm – dabei sollten beide identisch sein. Woche 7 in meinem Lerntagebuch, und ich sitze schon wieder vor so einem Ärmel-Debakel, weil ich dachte, im Kopf mitzählen reicht bei meiner Brother-Strickmaschine locker aus. Reihenzähler heißt das kleine Plastikkästchen, das mir das hätte ersparen können, und als Anfängerin beim Maschinenstricken habe ich lange gebraucht, um zu kapieren, warum das Ding überhaupt so wichtig ist.

Seit ich diese alte Brother im Frühjahr 2025 für 60 Euro auf dem Flohmarkt ergattert habe, führe ich penibel Buch: mittlerweile stehen über hundert Stunden und ungefähr 180 Euro für Wolle und Kleinteile in meinem Heft. Das Einfädeln am Anfang war schon sein eigenes Drama, aber das ist eine andere Geschichte, die ich woanders aufgeschrieben habe. Reihen zählen klang dagegen erst mal harmlos.

Das Ärmel-Debakel und die Rolle des Reihenzählers

An einem grauen Abend dachte ich, achtzig Reihen für den Ärmel merkt man sich doch locker im Kopf. Nebenbei lief das Radio, meine Gedanken sind abgeschweift, und plötzlich wusste ich nicht mehr, ob ich bei Reihe 45 oder 54 war. Beim Häkeln kann man notfalls die Maschen nachzählen, wenn man sich verzählt hat. An der Strickmaschine dagegen liegt das Gestrick platt unter den Gewichten – Reihen nachzählen ist da fast unmöglich.

Welche Wolle ich für die Ärmel überhaupt genommen habe, ist wieder eine ganz eigene Geschichte. Mit dem Zähler hat die Garnwahl jedenfalls nichts zu tun, genauso wenig wie die Fadenspannung, die ich getrennt für sich einstelle. Der Reihenzähler selbst ist rein mechanisch, ungefähr wie ein alter Kilometerzähler im Auto: drei kleine Rädchen, die von 000 bis 999 zählen. Klingt nach viel, aber wenn man erst mal drinsteckt, geht das schneller, als man denkt.

Nahaufnahme des Reihenzählers an der Brother-Strickmaschine (KH-Serie) mit der Anzeige 004, kurz vor dem nächsten Klick

Wie befestigt man den Zähler richtig an der Nadelbett-Nut?

Am Anfang dachte ich, der Zähler wäre schlicht kaputt, weil er sich einfach nicht bewegte, egal wie oft ich den Schlitten hin- und herschob. Dabei hatte ich ihn nur nicht richtig in die Nut am hinteren Rand des Nadelbetts geschoben. Er muss dort komplett einrasten, sonst erreicht der Schlitten ihn gar nicht erst. Einmal, kurz vor Ostern, habe ich eine ganze Stunde gestrickt und danach gemerkt, dass die Anzeige immer noch bei 004 stand, weil er zwar in der Schiene saß, aber nicht fest genug nach hinten gedrückt war.

Wer schon mal eine Tupperdose zugedrückt hat, kennt das Gefühl: Ohne ein spürbares Einschnappen ist sie nicht wirklich zu, und beim Reihenzähler ist das genauso. Bei Problemen mit dem Schlitten, die sich ähnlich anfühlen, hilft mein Bericht darüber, was ich getan habe, als mein Schlitten klemmt an der Strickmaschine. Die Ursache hängt fast immer mit der Positionierung zusammen.

Der weiße Hebel gibt dem Zähler erst den Impuls

Damit der Zähler überhaupt merkt, dass eine Reihe fertig ist, braucht er einen Impuls von außen. Bei der Brother KH-Serie sitzt an der Rückseite des Schlittens ein kleiner weißer Kunststoffhebel, der bei jeder Passage einen Metallstift am Zähler nach unten drückt. Ein Klick pro Durchgang, ganz simple Mechanik. Mein Modell hat den üblichen Nadelabstand von 4,5 mm, falls das jemanden interessiert.

Nimmt man den Schlitten für die Reinigung ab oder tauscht den Abstreifer, kann dieser Hebel dabei versehentlich einklappen. Der Schlitten fährt dann brav am Zähler vorbei, aber es passiert schlicht nichts. Kurz nachsehen, ob der kleine Hebel hinten wirklich absteht, hat sich bei mir als fester Handgriff eingeschlichen, bevor ich überhaupt anfange.

Weißer Hebel an der Rückseite des Strickschlittens, der den Reihenzähler der Brother-Strickmaschine erst auslöst

Über die Wendemarke hinausfahren, sonst zählt nichts

Mein größter Aha-Moment war, dass der Zähler erst reagiert, wenn der Schlitten mit Schwung ganz nach außen über die Wendemarke hinausfährt. Zuerst habe ich gedacht, das Problem lässt sich lösen, indem ich den Schlitten einfach schnell durchziehe statt langsam und gleichmäßig zu arbeiten. Hat nicht funktioniert, der Zähler hat trotzdem ab und zu eine Reihe verschluckt. Erst als ich das Tempo rausgenommen habe und den Schlitten bewusst bis zum Anschlag und ein Stück darüber hinaus geführt habe, kam das Klicken zuverlässig.

Wer wie ich anfangs komplett ratlos vor der Technik steht, sollte sich ruhig mal mit dem Innenleben der Maschine beschäftigen. Zu sehen, wie die Nadeln tatsächlich arbeiten, hat mir enorm geholfen zu verstehen, warum der Zähler überhaupt so tickt, wie er tickt. In meinem Artikel über die gläserne Strickmaschine beschreibe ich das aus Anfängersicht.

Meine Checkliste für den Reihenzähler

Bevor ich überhaupt lostricke, gehe ich inzwischen automatisch die gleichen vier Punkte durch: Sitzt der Zähler wirklich fest in der Nut am Nadelbett? Steht das Rändelrad auf 000, bevor die erste Reihe beginnt? Das Nullen vergesse ich mir inzwischen nicht mehr? Ist der weiße Hebel an der Rückseite des Schlittens ausgeklappt? Und fahre ich auch wirklich weit genug über die Wendemarke hinaus, bis es hörbar klickt? Diese vier Fragen retten mir inzwischen fast jede Reihe.

Warum ich trotzdem manchmal zur Strichliste greife

Beim einfachen glatt-rechts Stricken ist der mechanische Zähler super, aber sobald Lochkarten oder Muster ins Spiel kommen, bei denen man Reihen ohne Wolle schiebt oder etwas korrigieren muss, gerät er leicht durcheinander. Er zählt nämlich jede Schlittenbewegung, egal ob dabei wirklich gestrickt wird oder der Schlitten nur in Position gebracht wird. Deshalb führe ich bei Mustern zusätzlich eine Strichliste auf Papier, gerade wenn vorher eine ordentliche Maschenprobe an der Strickmaschine berechnet wurde und ich genau weiß, wie viele Reihen am Ende gebraucht werden.

Verlorene Maschen sind übrigens ein komplett anderes Kapitel, mit dem der Zähler nichts zu tun hat – und auch das Abketten am Ende vom Ärmel spare ich mir für einen eigenen Bericht auf. Zurück zum eigentlichen Thema: Papier lügt nicht, der mechanische Zähler manchmal schon, jedenfalls bei komplizierteren Mustern.

Neulich ist mir mitten in einer Musterreihe eine Nadel richtig verklemmt – vor ein paar Wochen hätte mich das eine Stunde Fluchen gekostet, diesmal habe ich die Ursache in etwa fünf Minuten selbst gefunden, ganz ohne Panik und ohne ein einziges Erklärvideo. Auf der Kunststoffabdeckung an der Fadenführung sieht man im Licht meiner Schreibtischlampe inzwischen deutlich, wo ich mit den Fingern schon x-mal nachgefasst habe – so oft war ich mittlerweile dran.

Heidi aus dem Erdgeschoss hat mich letzte Woche auf dem Weg zum Rathausplatz abgepasst und wollte wissen, ob das mit dem Zähler wirklich so kompliziert sein muss, oder ob ich mir das nicht einfach nur einbilde. Sie zweifelt bei so ziemlich jedem Schritt laut, ob es wirklich so gemacht werden muss, und manchmal stelle ich mir die gleiche Frage selbst. Der Groove, der Hebel, die Wendemarke – das muss offenbar alles zusammenpassen, sonst zählt am Ende gar nichts.

In meinem Lerntagebuch steht für diese Woche: 6 Stunden gestrickt, 0 Euro ausgegeben, weil der Wollvorrat noch reicht, und der dritte Anlauf für dieses Ärmelpaar war endlich der richtige. Ein mechanischer Zähler ist nur so ehrlich wie die Bewegung, mit der man ihn füttert – hetzt man den Schlitten durch, hetzt man sich am Ende nur selbst. Seitdem nehme ich mir für jede Reihe die zwei Sekunden mehr Zeit, und der Zähler und ich kommen inzwischen ziemlich gut miteinander klar.