Ohne Knoten stricken lernen: Mein Test der gläsernen Strickmaschine für Anfänger

Maschinenstricken lernen als Anfängerin: Brother KH-Serie Strickmaschine mit verhedderter Wolle auf dem Nadelbett

Die achtundvierzigste Nadel hängt schief, der Faden reißt zum zweiten Mal in derselben Reihe, und ich lege den Schlitten einfach stehen – mitten in der Reihe, mitten im Frust. Woche sechs mit meiner alten Brother aus der KH-Serie, und ich dachte, das Stricken lernen an dieser Maschine hätte ich inzwischen halbwegs im Griff. Hatte ich nicht. Für eine komplette Anfängerin im Maschinenstricken fühlt sich jeder Rückschlag wie eine persönliche Beleidigung an, und an Tagen wie diesem frage ich mich, ob ein Strickmaschine-Kurs nicht doch früher fällig gewesen wäre.

Bevor es weitergeht: Diese Seite enthält Affiliate-Links, und wenn du über einen davon den Kurs Die gläserne Strickmaschine kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – für dich ändert sich am Preis nichts. Ich erwähne den Kurs nur, weil er der Grund ist, warum meine Maschine noch nicht wieder auf einem Flohmarkt steht.

Woche 6 bei meiner Brother KH-Serie: als die billige Wolle sich um die Nadeln wickelte

Was passiert war: Ich hatte im Drogeriemarkt ein Knäuel Wolle mitgenommen, weil es günstig war und ich dachte, für eine Testreihe reicht das allemal. Zwei Reihen später hatte sich der Faden komplett um drei Nadeln gewickelt, fest wie ein Knoten, den nur noch die Schere löst. Supermarktwolle und eine Maschine mit zweihundert Nadeln – das war offenbar keine gute Kombination.

Meine Brother wohnt auf einem klobigen Eichentisch, Baujahr irgendwann in den Siebzigern, ursprünglich sicher nicht fürs Stricken gedacht – festgehalten wird sie nur von zwei Zwingen, keine einzige Schraube im Holz. Der kleine runde Spiegel, der schräg über dem Tisch hängt, zeigt mir die Nadelreihe von oben – daran musste ich mich erst gewöhnen, weil ich reflexartig immer noch den Kopf runterbeuge. Am Fenster zum Hinterhof, wo sonst meine Wollproben an Wäscheklammern trocknen, hing ab diesem Nachmittag ein besonders hässliches neues Exemplar.

Zwanzig Minuten Fummelei mit der Pinzette später hatte ich wenigstens eins gelernt: Eine neue Wollsorte kommt bei mir jetzt nie mehr direkt in die volle Reihe. Erst probiere ich sie an einer einzelnen Nadel, ziehe sie sachte durch, und nur wenn sie sauber läuft, wandert der Rest des Knäuels auf den Schlitten. Das mit der Garnwahl ist ohnehin so eine Sache bei alten Maschinen – nicht jede Wolle, die sich beim Häkeln locker verarbeiten lässt, taugt auch für den Schlitten.

Wenn dazu noch die Fadenspannung an der Strickmaschine nicht passt, kippt das ganze Bild noch schneller – aber das ist ein eigenes Thema für einen anderen Tag. Vielleicht ist es bei meiner Flohmarkt-Maschine sowieso mal wieder Zeit, über Nadeln austauschen nachzudenken, bei einem Nadelbett, das schon einiges durchgemacht hat, bevor es bei mir gelandet ist.

Nahaufnahme der Nadeln einer Brother KH-Serie Strickmaschine, bei der sich günstige Wolle um mehrere Nadeln gewickelt hat

Ausgerechnet ein Abstecher in die Stadtbücherei Augsburg hat mir weitergeholfen.

Mittagspause, mitten in der Woche, und ich wollte nur raus aus der Wohnung, bevor ich das ganze Nadelbett gegen die Wand werfe. In der Stadtbücherei Augsburg wollte ich eigentlich nur ein Buch über Lochkartenmuster durchblättern, da stand plötzlich Seraphine Kloss vor mir, mit einem Stapel Amigurumi-Anleitungen unterm Arm.

Sie fragte, wie es mit der Maschine läuft, und ich erzählte ihr von der Wolle, die sich um die Nadeln gewickelt hatte. Seraphine grinste nur und meinte, sie wolle lieber nicht daran erinnert werden, wer hier zuletzt versucht hat, den Schlitten zu bedienen – und wechselte schnell das Thema.

Genützt hat der Abstecher trotzdem: Ich kam mit einem klaren Kopf zurück und ohne die Wolle, die sowieso nichts mehr taugte. Maschenfall ist bei mir meistens ohnehin ein Zeichen, dass ich zu schnell war, nicht dass mit der Maschine etwas kaputt ist.

Der Moment ohne Notizbuch: Einfädeln aus dem Kopf

Zurück am Schreibtisch wollte ich die Maschine neu bestücken – ohne das Notizbuch danebenzulegen, wie sonst eigentlich immer. Ich fädelte einfach ein, Schritt für Schritt, und merkte erst hinterher: Kein einziges Mal hatte ich nachschauen müssen. Vor sechs Wochen hätte ich für den gleichen Handgriff mindestens dreimal im Heft geblättert.

Einfädeln war für mich lange das, wovor ich am meisten Respekt hatte an der ganzen Maschine. Kurz danach hat auch der Anschlag geklappt – ich weiß inzwischen, wie ein perfekten Anschlag mit der Strickmaschine zustande kommt, ohne dass mir die halbe Reihe wieder von den Nadeln rutscht.

Maschenprobe mit Lochkartenmuster an der Strickmaschine, entstanden nach dem Stricken lernen mit dem Kurs Die gläserne Strickmaschine

Die Maschenprobe rechne ich inzwischen routinemäßig durch, bevor ich überhaupt anfange – das hat mir seither ein paar böse Überraschungen erspart. Abketten kommt bei mir als Nächstes auf die Liste, bisher mache ich das nur behelfsmäßig mit der Hand, aber das ist nochmal ein eigenes Kapitel.

Das mache ich nach diesem Rückschlag anders.

Hängen geblieben ist bei mir vor allem eins: Jede neue Wolle teste ich jetzt zuerst an einer einzelnen Nadel, bevor sie an die volle Reihe darf – das kostet zwei Minuten und hätte mir diesmal den ganzen Nachmittag erspart.

Der Kurs Die gläserne Strickmaschine hat mir bei genau solchen Momenten geholfen, in denen ich fachlich einfach nicht weiterkam. Die Erklärungen sind so aufgebaut, dass auch eine komplette Anfängerin mitkommt, und manche Lektion schaue ich mir tatsächlich zwei- oder dreimal an, weil beim ersten Durchgang nicht alles hängen bleibt. Andere im Kurs schreiben, dass sie nach ein paar Monaten regelmäßiger Praxis anfangen, richtige fertige Teile zu stricken. Ob das bei mir in ein paar Wochen auch so weit ist, wird sich zeigen.

Die monatlichen Kosten sind für mich trotzdem der Knackpunkt: Das muss man sich leisten wollen und auch wirklich nutzen, sonst zahlt man am Ende für Lektionen, die man nie anschaut. Nicht jede Übung passt eins zu eins zu meiner alten Brother, manche Einstellungen übersetze ich mir selbst.

Wenn du auch gerade mit einer alten Maschine kämpfst und nur Knoten produzierst: Der Kurs, den ich oben verlinkt habe, war bei mir der Unterschied zwischen Aufgeben und Weitermachen. Und wenn die nächste Wolle sich doch wieder um die Nadeln wickelt, dann weiß ich wenigstens, an welcher Nadel ich zuerst nachschauen muss.