Maschenprobe an der Strickmaschine stricken und für Anfänger richtig berechnen

Maschenprobe an der Strickmaschine stricken - Nadelbett mit aufgezogener Anschlagreihe zur Berechnung für Anfängerinnen

Vierzig Maschen auf dem Nadelbett, und ich zähle zum dritten Mal nach, weil mir die Zahl komisch vorkommt. Die alte Brother-Strickmaschine läuft im Hintergrund weiter, während das Lineal über die Reihen wandert und mir klar wird: Ohne eine ordentliche Maschenprobe komme ich bei den Grundlagen des Maschinenstrickens keinen Schritt weiter. Genau dieses Rechnen (Probe stricken, messen, umrechnen) ist der Abschnitt, den ich in meinem Strick-Tagebuch am häufigsten nachschlage, weil mir das Berechnen der Maschenprobe einfach nicht von selbst im Kopf bleiben will.

Das Bild, das mich bis heute überzeugt, ist ein fertiger Schal, der vom Nadelbett rutschte – gerade wie mit dem Lineal gezogen und länger, als ich für möglich gehalten hätte. Diese eine Erfahrung reicht mir, um jede Abkürzung bei der Probe zu verweigern.

Heidi aus dem Erdgeschoss fragt bei jedem kurzen Besuch dasselbe: wie lange es dauert, bis aus diesem Gerät wirklich etwas Tragbares wird. Die ehrliche Antwort hängt fast komplett an diesem einen Schritt hier. Wer die Probe überspringt, weil zehn Minuten fertiges Strickstück locken, verliert am Ende viel mehr Zeit, als sie spart.

Warum eine Maschenprobe an der Maschine anders funktioniert als beim Häkeln

Beim Häkeln war eine Maschenprobe für mich früher eher eine Empfehlung, die man notfalls im Handgelenk korrigiert. An der Strickmaschine funktioniert das nicht. Die Nadeln sitzen in einem festen Abstand, und die Maschenweite am Schlitten – diese Skala, meist von 0 bis 10 – bestimmt nur, wie weit die Nadel nach vorne geschoben wird. Wie groß die einzelne Masche am Ende tatsächlich wird, hängt zusätzlich von der Fadenspannung ab, die hier aber ein eigenes Thema für sich ist.

Gewicht ist der zweite Faktor, den Anfängerinnen unterschätzen. An der Maschine ziehen Krallen und Gewichte das Gestrick nach unten, während es entsteht, und das verfälscht das Bild, solange alles noch hängt. Welche Wolle sich für die Probe überhaupt eignet, ist wieder eine andere Frage: Die Garnwahl entscheidet mit, auf welche Maschenweite man den Schlitten überhaupt stellt. Für den Kontrastfaden, den ich später zum Markieren benutze, greife ich meistens zu einem Rest vom Stadtmarkt Augsburg, irgendein Knäuel, bei dem die Farbe keine Rolle spielt.

Brother Strickmaschine: Nahaufnahme der Maschenweiteneinstellung am Schlitten, wichtig um die Maschenprobe zu berechnen

Maschenprobe stricken: wie viele Maschen und Reihen wirklich zählen

Eine Probe, die aussagekräftig sein soll, muss größer sein, als man zunächst denkt – die Randmaschen sind ohnehin unzuverlässig. Ich schiebe deutlich mehr Nadeln in Arbeitsposition, als am Ende gebraucht werden, stricke eine ordentliche Anzahl Reihen und ziehe nach einem festen Rhythmus einen Kontrastfaden durch die mittleren Maschen. Diese Markierung ist später die einzige Stelle, die ich überhaupt vermesse, weil dort weder Rand noch Anschlag das Ergebnis verzerren.

Einmal sind mir mitten in der Probe Maschen von der Nadel gerutscht, und ich hab reflexartig versucht, sie mit einer Häkelnadel wieder aufzunehmen. Dabei hab ich nur alles schlimmer gemacht und am Ende die halbe Reihe neu angeschlagen. Warum Maschen überhaupt von der Nadel fallen, ist ein eigenes Kapitel für sich, aber seitdem lege ich bei jedem ungewohnten Geräusch vom Schlitten die Hand kurz über die Nadeln, bevor ich weiterstricke. Falls der Schlitten bei euch mal richtig klemmt, hab ich dazu extra Tipps für klemmende Schlitten aufgeschrieben.

Erst messen, wenn die Probe entspannt ist

Direkt an der Maschine zu messen ist der klassische Anfängerfehler, mich eingeschlossen. Solange das Stück noch von Krallen und Gewichten nach unten gezogen wird, sehen die Maschen aus wie schmale Ovale. Erst wenn die Probe unten liegt und sich entspannen darf, zeigt sich die wahre Form. Vorher wird abgekettet, sauber und ohne Eile, denn eine schlampig abgekettete Kante zieht sich beim Runternehmen schief und verfälscht genau die Randreihen, die für die Messung sowieso nicht zählen sollten.

Maschenprobe berechnen: entspannte, fertig gestrickte Probe liegt flach auf Holz und wird mit dem Lineal vermessen

Der Wickelanschlag am Anfang beeinflusst übrigens, wie sauber die erste Reihe später überhaupt aussieht, und wackelige Anschlagmaschen verzerren die Probe von unten genauso wie ein hastiges Abketten von oben. Wer da noch unsicher ist. Ich hab meinen Wickelanschlag endlich ohne Knoten hinbekommen und in einem eigenen Beitrag festgehalten.

Wie lange muss die Wolle ruhen?

Zwölf Stunden sind das Minimum, vierundzwanzig sind besser, bevor überhaupt ein Lineal an die Probe kommt. Wolle hat ein Gedächtnis, und durch das Stricken und den Zug der Maschine sind die Fasern gestresst – sie brauchen Zeit, um sich wieder zu setzen. Ich nehme die Probe vom Bett, tauche sie kurz in lauwarmes Wasser und lasse sie flach auf einem Handtuch trocknen, genau wie später das fertige Stück auch behandelt wird.

Maschenprobe berechnen: die Formel für Anschlag und Reihenzahl

Sobald die Probe trocken und entspannt liegt, kommt das Lineal an genau die markierten Maschen in der Mitte. Angenommen, die markierten Maschen sind vierzehn Zentimeter breit – dann teile ich die Maschenzahl durch diesen Wert und weiß, wie viele Maschen auf einen Zentimeter kommen. Soll das fertige Teil fünfzig Zentimeter breit werden, wird genau dieser Wert mit fünfzig multipliziert, und das Ergebnis ist die Anschlagzahl für den Schlitten. Für die Reihen läuft dieselbe Rechnung mit der Höhe der markierten Reihen.

Bevor ich der Rechnung überhaupt traue, wische ich kurz die Maschinenbasis ab – der feine Wollstaub kratzt dabei leise auf dem Holz unter den Fingern, ein zuverlässiges Zeichen, dass mal wieder Reinigung fällig ist. Eine Maschine mit Wollstaub und altem Öl in den Nadelkanälen strickt mal fester, mal lockerer, und dann ist jede noch so genaue Rechnung nur Makulatur. Wie ich meine alte Brother erst mal gründlich vom Wollstaub befreit habe, bevor die Probe überhaupt konstante Werte lieferte, ist in einem eigenen Beitrag nachzulesen. Wie man die Maschine anfangs richtig einfädelt, gehört ebenfalls nicht mehr in diesen Text.

Wann du die Probe noch einmal stricken solltest

Ändert sich irgendetwas an den Bedingungen, gehört eine neue Probe angeschlagen: neues Wollknäuel, auch wenn die Banderole dieselbe Angabe zeigt, frisch geölte Nadelkanäle, oder ein Tag mit spürbar anderer Raumtemperatur. Jede dieser Veränderungen kann die Maschenzahl pro Zentimeter leicht verschieben, und genau diese kleine Verschiebung reicht, um am Ende wieder einen zu schmalen Ärmel zu produzieren.

Am Ende zählt nur eine einzige Zahl: Maschen pro Zentimeter, gerechnet aus der entspannten, wirklich fertigen Probe – nicht aus der Probe, die noch unter Spannung an den Nadeln hängt. Alles andere, wie viele Reihen in einer Stunde entstehen oder wie viel Wolle das kostet, ist Beiwerk neben dieser einen Rechnung. Wer sie einmal sauber durchzieht, muss beim nächsten Projekt nur noch die Zahlen austauschen.