Alte Brother Strickmaschine reinigen und ölen: Mein Kampf gegen den Wollstaub (Update 2026)

Aktualisiert
Alte Brother Strickmaschine wird gereinigt und geölt: Nahaufnahme meiner Reinigungsarbeit am Nadelbett

200 Nadeln lagen vor mir auf dem Küchentisch, jede einzeln in ihrem eigenen Eierbecher, fein säuberlich sortiert wie zu Ostern. So sah es aus, als ich in Woche 4 meines Brother-Strickmaschinen-Abenteuers endlich den Mut fand, das komplette Nadelbett auseinanderzunehmen. Reinigung und Wartung – zwei Wörter, die für mich bis dahin nach Werkzeugkoffer und ruhigen Händen klangen. Beides hatte ich nicht.

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Eigentlich hatte ich mir für das Wochenende einen Ausflug ins Textilmuseum Augsburg vorgenommen, weil dort angeblich auch alte Strickmaschinen aus den letzten Jahrzehnten stehen. Bei einer Maschine, die sich anhörte, als würde sie gleich in ihre Einzelteile zerfallen, blieb ich aber lieber zu Hause und hab mich selbst drangesetzt.

Wollstaub, billige Wolle und der Anfang meiner Reinigung

Vierzig Jahre alt ist meine Strickmaschine mindestens, hab ich später rausgefunden – vom Flohmarkt für 60 Euro, ein Schnäppchen, dachte ich im ersten Moment. Nach einem metallischen Kreischen mitten in einer Reihe wusste ich es besser: Der Schlitten saß bombenfest, und unter den Abdeckungen wartete kein technisches Gerät mehr, sondern eher ein kleines Biotop aus Staub und altem Öl.

Grauer, fest verfilzter Wollstaub steckte in jeder Ritze, vermischt mit uraltem Öl zu einer Masse, die eher an zähen Honig mit Sand erinnerte als an Schmierfett. Ich hab mir danach ein Reinigungsset und dünnflüssiges Nähmaschinenöl für knapp zwanzig Euro bestellt, insgesamt lag ich damit bei rund 80 Euro für die ganze Maschine – okay, aber die eigentliche Arbeit fing jetzt erst an.

Wollstaub und altes Fett im Nadelbett meiner Brother Strickmaschine vor der Reinigung

Drei Nachmittage hab ich geopfert, je vier Stunden, macht zwölf Stunden reine Putzarbeit für eine Maschine, die eigentlich nur Pullover produzieren sollte. Wer hätte gedacht, dass Stricken so viel mit Hausputz zu tun hat.

An dieser Stelle muss ich zugeben, dass ich mir das Problem selbst mit eingebrockt habe. In den ersten Wochen hab ich billige Supermarktwolle verwendet, die sich sofort um die Nadeln gewickelt hat, weil sie so faserig war. Die richtige Garnwahl ist offenbar keine Kleinigkeit, aber das ist nochmal ein eigenes Kapitel, das ich hier nicht aufmachen will. Ergebnis war jedenfalls: mehr Fusseln, mehr Staub, mehr Arbeit für mein späteres Ich.

200 Nadeln und Schrauben sortiert in Eierbechern während der Wartung meiner Strickmaschine

Warum Geduld bei alten Nadelkanälen keine Option ist

Für die Nadelkanäle selbst half nur Handarbeit: Zahnbürste, ein bisschen Petroleum und sehr viel Geduld, die ich im Büroalltag eigentlich nie brauche. Seraphine aus unserem Häkeltreff, der ich ein Foto vom Nadelbett geschickt hab, meinte nur trocken, das mit der Fadenspannung sei doch wie beim Häkeln mit einer zu festen Masche – irgendwann verhakt sich einfach alles. Fadenspannung ist bei der Strickmaschine natürlich nochmal ein eigenes Thema für sich, aber ihr Vergleich hat mir für den Moment gereicht.

Genau in diesen Stunden mit der Zahnbürste über dem Nadelbett wurde mir klar, wie wenig ich eigentlich über das Innenleben dieser Maschine wusste. Man schrubbt sich meditativ durch vierzig Jahre Ablagerungen, oder man flucht wie ein Kutscher – bei mir war es eine gesunde Mischung aus beidem.

Was hat die Sperrschiene mit meinem Maschenfall zu tun?

Unter den Nadeln versteckte sich noch die Sperrschiene, die eigentlich für den nötigen Gegendruck sorgt, damit der Schlitten die Nadeln greifen kann. Bei meiner Brother war der Schaumstoff darauf zu einer schwarzen, klebrigen Masse verklumpt, die eher an alte Lakritze erinnerte als an Polsterung. Genau das war wahrscheinlich auch mitverantwortlich dafür, warum meine Maschine ständig Maschen verloren hat – den Maschenfall im Detail erklären will ich hier gar nicht, dazu weiß ich selbst noch zu wenig. Eine neue Schiene hab ich für rund 15 Euro bestellt, und allein der Austausch hat sich angefühlt wie ein kleiner Sieg.

Zwischendurch hab ich echt gezweifelt, ob ich das Ding je wieder zusammenkriege. Für alle, die genauso planlos vor ihrer ersten Maschine sitzen: Mir persönlich hat der Kurs Die gläserne Strickmaschine geholfen, weil dort auch die Mechanik erklärt wird, bevor man selbst irgendwelche Schrauben löst. In meinem Testbericht Ohne Knoten stricken lernen hab ich das schon mal ausführlicher aufgeschrieben.

Wartung heißt bei mir: nur noch Nähmaschinenöl

Gepflegt wird bei mir seitdem ausschließlich mit dünnflüssigem Nähmaschinenöl. Kein WD-40, kein Haushaltsöl aus der Küche, kein Allzweckspray aus dem Baumarkt – all das kann die Kunststoffteile angreifen, das hab ich mir fest eingeprägt. Nur ein paar Tropfen auf ein Tuch, die Schienen abgerieben, fertig.

Ölen der Schlittenschiene mit dünnflüssigem Nähmaschinenöl an meiner Brother Strickmaschine

Als ich den Schlitten danach zum ersten Mal wieder rüberschob, klang das komplett anders: kein Kratzen, keine Aussetzer, nur ein ruhiges Tock-Tock, Reihe für Reihe, so gleichmäßig, dass ich zweimal hinhören musste, ob das wirklich dieselbe Maschine war. Die ganze Putzerei war also kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Maschine überhaupt vernünftig arbeiten kann.

Meine Anfänger-Tipps für alte Strickmaschinen

Zum Einfädeln bin ich an diesem Nachmittag noch gar nicht gekommen, das kommt bei mir sowieso erst, wenn die Maschine wieder komplett zusammengebaut ist. Auch eine Maschenprobe hab ich mir für dieses Mal gespart, es ging ja nur ums Mechanische, nicht ums Muster. Und ans Abketten will ich erst wieder denken, wenn ich sicher bin, dass der Schlitten dauerhaft so brav bleibt wie gerade eben.

Was für mich die eigentliche Lektion aus dieser ganzen Aktion war: Eine gebrauchte Maschine für 60 Euro ist kein fertiges Werkzeug, sondern erst mal ein Projekt, das man zum Laufen bringen muss, bevor überhaupt an Muster oder Maschen zu denken ist. Wer sich das vorher klarmacht, erspart sich vermutlich den Schreckensmoment, den ich mit dem kreischenden Schlitten hatte. Wenn du selbst verstehen willst, wie so eine Brother von innen tickt, ohne jede Schraube einzeln beim Vornamen kennenzulernen, schau dir gern meine Erfahrungen mit der gläsernen Strickmaschine an. Nächste Woche wage ich mich dann endlich an ein erstes richtiges Musterstück – drück mir die Daumen, dass die Nadeln jetzt brav bleiben.