Welches Zubehör für Brother Strickmaschinen brauche ich wirklich als Anfängerin?

Brother Strickmaschine mit Zubehör für Maschinenstricken-Anfängerinnen: Sperrschiene, Deckernadeln und Gewichte auf dem Nadelbett

Fünfzehn Euro für eine neue Sperrschiene haben meiner Brother mehr gebracht als die gut hundertfünfzig Euro für ein gebrauchtes Doppelbett-Zusatzgerät, das danach ein halbes Jahr ungeöffnet unter dem Bett lag. Nicht jedes Teil, das online als Brother-Zubehör beworben wird, verdient einen Platz im Nähkorb: manches schon, vieles eher nicht. Als Maschinenstricken-Anfängerin habe ich beides gekauft, das Unverzichtbare und den teuren Fehlgriff, und der Unterschied war größer, als ich erwartet hatte.

Sperrschiene oder Doppelbett: Wohin geht das erste Geld?

Die Sperrschiene ist der lange Metallstab mit dem Schaumstoffstreifen, der die zweihundert Nadeln einer Standard-Brother in Position hält. Bei einer alten Maschine ist dieser Schaumstoff nach dreißig Jahren meist platt wie eine Flunder, und dann tanzen die Nadeln bei einem Nadelabstand von 4,5 Millimetern regelrecht aus der Reihe. Fünfzehn Euro für einen Ersatz, zehn Minuten zum Wechseln, und der Schlitten läuft spürbar ruhiger.

Das Doppelbett-Zusatzgerät dagegen wirkt auf YouTube wie der logische nächste Schritt: schöne Rippenbündchen, doppelte Möglichkeiten. In Wirklichkeit bedeutet ein zweites Bett doppelt so viele Fehlerquellen, während man das einbettige Stricken noch gar nicht blind beherrscht. Meins hat ein halbes Jahr ungeöffnet unter dem Bett gelegen, bis ich es weiterverkauft habe. Die Reihenfolge macht hier den Unterschied: erst Kontrolle über eine Nadelreihe, dann über zwei.

Deckernadeln sind Pflicht, nicht Kür

Drei Deckernadeln – die 1er, 2er und 3er – reichen für den Anfang völlig, ein größeres Set braucht kein Anfängerinnen-Haushalt. Damit werden Maschen von einer Nadel auf die andere gehoben, für Zunahmen genauso wie fürs Abketten am Ende einer Arbeit, auch wenn das Abketten selbst noch mal ein eigenes Thema für sich ist. Billige Deckernadeln verbiegen beim 4,5-Millimeter-Abstand meiner Brother fast sofort, ein stabiles Set kostet etwas mehr, hält aber Jahre. Falls dabei doch mal eine Nadel verbogen wird, habe ich getrennt aufgeschrieben, wie man bei einer Brother Strickmaschine Nadeln austauschen kann, ohne gleich die halbe Maschine auseinanderzunehmen.

Gewichte gegen Maschenfall: nervig, aber unverzichtbar

Kammgewichte und Krallengewichte ziehen das Gestrick nach unten, damit die Nadeln die neue Reihe überhaupt fassen können. Ohne diesen Zug fällt eine Reihe einfach von der Maschine, was landläufig als Maschenfall bekannt ist, aber das ist ein eigenes Kapitel für sich. Zwei große Kammgewichte und zwei kleine Krallen reichen für den Einstieg, mehr braucht es anfangs nicht.

Im Textilmuseum Augsburg (tim) stand neben einer alten Rundstrickmaschine ein kleines Kästchen mit genau solchen Metallgewichten – am Prinzip hat sich seit Jahrzehnten offenbar nichts geändert. Wer die Gewichte weglässt, weil sie nervig am Rand hängen, spart sich zehn Minuten und verliert dafür am Ende eine ganze Reihe.

Falsches Öl kostet mehr als richtiges

Nähmaschinenöl oder WD-40 verharzen in der Mechanik einer Brother, säurefreies Feinmechanik-Öl dagegen hält die Schienen geschmeidig. Ein Tröpfchen nach jedem größeren Teil, kurz mit dem Staubsauger über die Nadeln, fertig – mehr Pflege braucht die Maschine nicht.

Am Fadenführer sammelt sich mit der Zeit eine feine Schicht Fingerabdrücke, die man erst bemerkt, wenn die Schreibtischlampe schräg genug draufscheint, ein stiller Hinweis darauf, wie oft die Hand dort hingreift. Wenn der Schlitten heute gleichmäßig klackt, ganz ohne das kurze Stocken, das früher fast jede zweite Reihe kam, weiß ich sofort: Öl und Sperrschiene sitzen richtig.

Die 'gläserne Strickmaschine': Konzept statt Kaufliste

Die Fadenspannung ist ein gutes Beispiel dafür, warum Zubehör allein nichts bringt: Ich habe sie zu Beginn einfach auf gut Glück eingestellt, in der Hoffnung, dass es schon passt – es hat selten gepasst, bis ich mir angeschaut habe, wie man die Fadenspannung an der Strickmaschine richtig einstellen kann. Genau darauf zielt die 'gläserne Strickmaschine' ab, kein Zubehörteil, sondern eine Denkweise, bei der man die Mechanik so gut versteht, dass jedes Teil seinen Sinn zeigt, ungefähr so, wie mir Die gläserne Strickmaschine beim Verstehen meiner Brother geholfen hat.

Auch die Maschenprobe und die Garnwahl gehören in dieses Bild, so unspektakulär sie klingen: Ohne eine kurze Probe weiß man schlicht nicht, welche Nadelspannung zur Wolle passt, und dickeres Garn verzeiht dem 4,5-Millimeter-Abstand deutlich weniger als ein feines. Selbst das Einfädeln am Anfang einer Reihe wird erst durch Übung so beiläufig, wie es auf Videos aussieht.

Strickmaschinen-Tipps: Zubehör nach Nutzen sortieren, nicht nach Wunschliste

Am Ende läuft der Vergleich auf eine einfache Regel hinaus: Kaufe zuerst, was die Grundfunktion sichert (Sperrschiene, Öl, drei Deckernadeln, ein Satz Gewichte) und warte mit allem, was eine zweite Fähigkeit voraussetzt, wie ein Doppelbett oder aufwendiges Musterzubehör, bis die erste Fähigkeit wirklich sitzt.

Bertl Wanninger, ein Rentner aus einem Maschinenstricken-Onlineforum, hat mir das mal in einem einzigen Satz unter einen Blogeintrag geschrieben: Sein Praxiswissen aus den Achtzigern steht in keinem Handbuch und lässt sich auch schlecht googeln, trifft aber öfter ins Schwarze als jedes Video dazu.

In dem einen Jahr, das ich jetzt an meiner Flohmarkt-Brother sitze, hat sich diese Reihenfolge – Grundfunktion vor Komfort – nie als falsch erwiesen, egal ob es um fünfzehn oder um hundertfünfzig Euro ging. Wer sich fragt, wie das erste fertige Stück überhaupt gelingt, dem lege ich meinen Beitrag zum ersten Schal auf der Strickmaschine ans Herz.