Perfekter Anschlag mit der Strickmaschine: Meine Versuche mit dem Wickelanschlag (Update 2026)

Aktualisiert
Perfekter Anschlag mit der Strickmaschine: Meine Versuche mit dem Wickelanschlag (Update 2026)

13. Juni 2026

Es ist wieder einer dieser Samstage. Draußen scheint die Sonne über Augsburg, aber ich sitze in meinem Keller an der alten Brother, die Hände leicht ölig, und starre auf einen Haufen Wolle, der eher nach einem explodierten Vogelnest aussieht als nach einem Pullover-Bündchen. Vielleicht kennst du das? Man nimmt sich vor, mal eben schnell den perfekten Anfang zu zaubern, und endet mit einem Knoten, den nicht mal ein Pfadfinder lösen könnte.

Bevor ich dir von meinem neuesten Schlamassel erzähle, ein kurzer Hinweis: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen meiner Links einen Kurs kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten. Ich empfehle nur Sachen, die ich selbst genutzt habe und die mir geholfen haben, nicht komplett den Verstand zu verlieren. Versprochen.

Der Wickelanschlag: Mein Endgegner im Keller

Ich nenne ihn liebevoll den 'E-Wrap', weil man den Faden wie ein kleines Schreibschrift-e um die Nadeln schlingt. Klingt eigentlich ganz süß, oder? Wie Puderzucker auf dem Kuchen verteilen. In der Theorie ist der Wickelanschlag der Goldstandard: Er ist elastisch, er sieht sauber aus und er verzeiht (angeblich) vieles. Aber in der Praxis? Da war er für mich lange Zeit der Grund, warum ich kurz davor war, die 60 Euro, die ich im Frühjahr 2025 auf dem Flohmarkt für meine Brother ausgegeben habe, als Lehrgeld abzuschreiben.

Mein Problem war immer das Gleiche: Ich habe gewickelt wie eine Besessene. Viel zu fest. Wenn ich dann mit dem Schlitten drübergefahren bin, gab es dieses hässliche 'Knack'. Wer das Geräusch kennt, weiß: Das ist der Sound von brechenden Träumen (und manchmal auch von verbogenen Nadeln). Ich habe in den letzten Monaten bestimmt drei Nadeln geschrottet, nur weil ich dachte, der Faden müsste so stramm sitzen wie eine Gitarrensaite.

Nahaufnahme von Fadensalat und Wollknoten an den Nadeln der Strickmaschine.

Was ich aus 15 Monaten Chaos gelernt habe

Seit ich mein Lerntagebuch führe, sehe ich die Fortschritte schwarz auf weiß. Anfangs habe ich pro Woche sicher acht Stunden nur damit verbracht, Wolle wieder aufzuräufeln. Heute sind es vielleicht nur noch zwei Stunden Frust – ein echter Sieg! Inzwischen habe ich begriffen, dass die Strickmaschine kein grobes Werkzeug ist, sondern eher wie ein empfindlicher Hefeteig behandelt werden will. Ein bisschen zu viel Zug, und alles fällt zusammen.

Ein riesiger Fehler war meine Unwissenheit zum Thema Sperrschiene. Ich wusste nicht mal, dass dieses Ding existiert! Erst als ich gemerkt habe, dass meine Nadeln wackeln wie Wackelzähne bei einem Erstklässler, bin ich stutzig geworden. Wenn die Nadeln nicht richtig runtergedrückt werden, wird jeder Wickelanschlag zum Glücksspiel. Falls du auch so ein Problem hast, schau mal hier rein: Warum verliert meine Strickmaschine Maschen? Hilfe für verzweifelte Anfänger. Da beschreibe ich genau dieses Drama.

Die Sache mit der Fadenspannung (und dem Platzmangel)

In meinem kleinen Büro-Eckchen im Keller ist es eng. Mein Schreibtisch ist eigentlich zu schmal für die Brother. Das hat zur Folge, dass der Fadenmast oft nicht ganz frei steht. Wenn der Faden irgendwo hängen bleibt, auch nur für eine Sekunde, verzieht es den ganzen Anschlag. Ich habe gelernt, dass man beim Wickeln die Spannung fast komplett mit den Fingern kontrollieren muss – ganz locker, als würde man ein Haar aus der Suppe fischen.

Letzte Woche habe ich wieder versucht, einen Schal aus Restwolle zu machen. Ich dachte, ich hätte den Dreh raus. Aber nein, der Schlitten blieb in der Mitte stecken. Total blockiert. Mein erster Impuls? Gewalt. Mein zweiter Impuls? Weinen. Mein dritter Impuls (und der war der richtige): Erstmal einen Kaffee trinken und tief durchatmen. Meistens liegt es nämlich gar nicht an der Maschine, sondern daran, dass ich im Eifer des Gefechts eine Nadel falsch positioniert habe. Wenn dein Schlitten auch mal bockt, hilft dieser Text hier: Schlitten klemmt an der Strickmaschine: Tipps für verzweifelte Anfänger.

Hände beim Ausführen des Wickelanschlags an einer Brother Strickmaschine.

Mein Lichtblick: Hilfe, die ich wirklich verstehe

Irgendwann Anfang dieses Jahres saß ich da und dachte: 'Marlies, du bist Bürokauffrau, du kannst Rechnungen sortieren, aber diese Maschine besiegt dich.' Ich war kurz davor, das Teil wieder auf den Flohmarkt zu karren. Aber dann bin ich über den Online-Kurs Die gläserne Strickmaschine gestolpert. Ich war erst skeptisch – noch mehr Geld ausgeben? Ich habe doch schon fast 150 Euro in Wolle und Ersatzteile gesteckt!

Aber ganz ehrlich? Es war die beste Investition seit der Maschine selbst. In dem Kurs wird die Maschenbildung so kleinteilig erklärt, dass sogar ich es verstehe. Man sieht genau, was unter dem Schlitten passiert. Es ist, als würde man beim Backen endlich mal verstehen, warum der Kuchen eigentlich aufgeht, anstatt nur blind dem Rezept zu folgen. Besonders die Übungen zum Wickelanschlag haben mir gezeigt, dass ich den Faden viel zu kompliziert geführt habe.

Hier mal ein kleiner Überblick, was mir der Kurs gebracht hat (und was nicht):

Eine abgenutzte Sperrschiene einer Strickmaschine wird mit einem Schraubenzieher untersucht.

Ein typischer Dienstagabend im Juni 2026

Lass mich dir von letztem Dienstag erzählen. Ich wollte nur schnell eine Maschenprobe machen. Ich habe die Nadeln in Position geschoben, den Faden gewickelt – ganz locker, wie im Kurs gelernt – und den Schlitten geschoben. Und weißt du was? Es hat geklappt. Kein 'Knack'. Keine Fallmaschen. Einfach nur ein sauberes, elastisches Stück Gestrick. Ich hätte fast laut gejubelt, aber im Keller hört mich ja keiner außer den Spinnen.

Natürlich lief nicht alles perfekt. Später habe ich mich bei der Berechnung der Maschenprobe total vertan. Ich bin eben kein Mathe-Genie. Falls du da auch so deine Schwierigkeiten hast, kann ich dir nur raten: Lies dir das hier durch: Maschenprobe an der Strickmaschine stricken und für Anfänger richtig berechnen. Das spart so viel Frust, wenn man nicht erst nach zehn Zentimetern merkt, dass der Pullover nur einer Barbie-Puppe passen würde.

Warum ich trotzdem nicht aufgebe

Warum tue ich mir das an? Warum häkle ich nicht einfach weiter gemütlich auf dem Sofa? Weil das Gefühl, wenn die Maschine einmal flüssig läuft, süchtig macht. Es ist dieses mechanische Rattern, dieser metallische Geruch nach Schmierstoff und Wolle. Es ist das Gefühl, etwas Altes, Mechanisches gezähmt zu haben. Wenn ich heute meine ersten Versuche vom Frühjahr 2025 anschaue – diese löchrigen, verfilzten Etwasse – und dann das sehe, was ich heute produziere, dann bin ich fast ein bisschen stolz.

Der Wickelanschlag ist für mich heute kein Endgegner mehr, sondern eher ein eigenwilliger Kollege. Wir respektieren uns. Ich weiß jetzt, dass ich die Sperrschiene regelmäßig prüfen muss und dass Wolle mit Mohair-Anteil einfach die Hölle ist, wenn man noch lernt. Manchmal sitze ich noch immer da und frage mich, ob ich zu dumm für dieses Hobby bin. Aber dann klappt eine Reihe, und alles ist vergessen.

Ein gelungener Strickanfang nach dem Wickelanschlag an der Maschine.

Was ich dir als Anfängerin mitgeben möchte

Wenn du auch gerade vor deiner ersten Maschine sitzt und dich fragst, warum zum Teufel dieser Faden nicht auf den Nadeln bleiben will: Atme tief durch. Es liegt meistens nicht an dir, sondern an einer Kleinigkeit. Vielleicht ist die Fadenspannung zu hoch, vielleicht braucht die Maschine mal wieder ein Tröpfchen Öl, oder die Nadeln sind einfach müde.

Nimm dir Zeit. Stell die 'dummen' Fragen. Ich stelle sie auch ständig. Und wenn du wirklich nicht weiterkommst, schau dir mal Die gläserne Strickmaschine an. Mir hat es geholfen, den Knoten im Kopf zu lösen, bevor der Knoten in der Wolle mich wahnsinnig gemacht hat. Es ist kein Hexenwerk, es ist nur eine Menge Übung und ein bisschen Geduld – und vielleicht ein paar Pflaster für die Finger, wenn man mal wieder zu nah an den Schlitten kommt.

Hast du heute schon was gestrickt oder hast du die Maschine frustriert mit einem Tuch abgedeckt? Schreib mir doch mal, ich fühle mich dann weniger allein mit meinem Keller-Chaos!

Deine Marlies