
Warum verliert eine Strickmaschine überhaupt Maschen, obwohl du doch alles richtig gemacht zu haben glaubst? Diese Frage bekomme ich in den Kommentaren ständig gestellt, meistens von Leuten, die gerade frisch mit einer alten Brother KH angefangen haben und mitten in der Fehlersuche stecken, während das Gestrick vor ihnen aussieht wie ein Fischernetz mit zu vielen Löchern. Fallmaschen sind für Anfängerinnen an der Strickmaschine wohl der frustrierendste Moment überhaupt, und eine einzige Ursache gibt es dafür leider nicht.
Bevor es weitergeht, kurz die Transparenz: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon einen Kurs, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts. Ich empfehle nur, was ich selbst an meiner gebrauchten Brother benutze. Dazu gehört auch der Kurs Die gläserne Strickmaschine, der mir bei genau diesem Thema oft weitergeholfen hat.
Meine Leserin Adele hat mir neulich einen dieser wunderbar langen, fein nummerierten Kommentare hinterlassen, mit gleich mehreren Unterfragen genau zu diesem Thema, und die kurze Antwort vorweg: Es ist selten nur ein einziger Fehler, sondern meistens eine Kombination aus mechanischem Verschleiß, falscher Handhabung und Ungeduld. Deshalb gehe ich hier systematisch die Ursachen durch, die bei einer alten Brother am häufigsten dahinterstecken, statt jede Frage einzeln in den Kommentaren zu beantworten.
Fallmaschen bei der Brother KH: Was beim Maschenfall wirklich passiert
Eine Nadel an der Maschine trägt eine kleine Zunge, die sich öffnen und schließen muss, damit der neue Faden die alte Masche sauber unterfasst und verstrickt. Klappt das nicht im richtigen Moment, rutscht die alte Masche einfach über die Nadelspitze, statt hinter die Zunge gezogen zu werden; genau das nennt man einen Maschenfall. Eine Strickmaschine ist dabei kein sonderlich nachsichtiges Gerät, eher wie eine pingelige Waage in der Apotheke: Stimmt eine Kleinigkeit nicht, kippt gleich das ganze System.
Der Vergleich zum Häkeln hinkt trotzdem etwas: Dort merkst du eine vergessene Luftmasche fast immer sofort, weil du nur einen Faden gleichzeitig führst. An der Strickmaschine dagegen ist der Fehler oft schon drei oder vier Reihen alt, bevor er auffällt, deshalb lohnt sich nach jeder Reihe ein kurzer Blick über das ganze Nadelbett.
Ist die Nadelpressschiene der Hauptverdächtige?
Bei alten Gebrauchtmaschinen ja, öfter als man denkt. Halten die Nadeln nicht mehr flach auf dem Nadelbett, sondern hüpfen leicht nach oben, sobald der Schlitten drüberfährt, ist meistens der Schaumstoff in der Pressschiene hinüber. Nach Jahrzehnten wird er klebrig und verliert seine Spannkraft. Ohne diesen Gegendruck fängt der Haken den Faden nicht richtig, und die Masche fällt, statt sich zu schließen.
Ein schneller Test: Drück ein paar Nadeln mit dem Finger nach unten. Federn sie nicht sofort zurück oder fühlt sich das Ganze schwammig an, hast du die Ursache gefunden. Wie ich meine eigene ausgetauscht habe, steht ausführlich in meinem Bericht übers Austauschen der Nadeln und der Pressschiene. Eine schmierige, aber lohnende Angelegenheit.

Reicht mehr Gewicht am Gestrick?
Beim Handstricken hältst du das Stück selbst fest, an der Maschine übernimmt das die Schwerkraft. Ist zu wenig Gewicht dran, schiebt der Schlitten die Nadel zwar nach vorne, aber die alte Masche rutscht nicht hinter die Zunge; sie bleibt oben hängen und wird beim nächsten Durchgang einfach abgeworfen statt abgestrickt. Besonders an den Rändern passiert das gern, weil dort weniger Gewicht zieht als in der Mitte.
Ich setze meine Krallengewichte deshalb regelmäßig nach, bevor der Rand zu leicht wird. Lästig, aber schneller erledigt, als ein ganzes Vorderteil neu aufzunehmen. Wenn dazu noch der Schlitten klemmt, verstärken sich beide Probleme meistens gegenseitig.

Verbogene Nadelzungen zuerst prüfen
Jede Nadel trägt eine winzige Zunge, die butterweich kippen muss. Ist sie auch nur minimal verbogen, manchmal unsichtbar fürs bloße Auge, fängt sie den Faden nicht mehr richtig, die Masche bleibt offen und fällt am Ende einfach ab. Ein Lineal, vorsichtig über die ganze Nadelreihe gezogen, zeigt meistens sofort, welche Nadel zickt.
Weg damit, sobald eine auffällt. Ersatznadeln kosten kaum etwas, und eine Fallmasche an der Maschine zu retten ist ungleich mühsamer als beim Häkeln.
Liegt es vielleicht einfach an mir?
Ja, öfter, als mir lieb ist. Schiebe ich den Schlitten zu hastig oder nicht ganz bis zur Wendemarkierung durch, bekommt die letzte Nadel den Befehl zum Abstricken nicht richtig mit. Im Büro muss alles exakt und schnell gehen, an der Maschine funktioniert genau das Gegenteil. Hier zahlt sich ein ruhiger, fast langsamer Rhythmus aus.
Am Wochenende war ich kurz auf dem Stadtmarkt Augsburg frisches Gemüse holen und musste die ganze Zeit an die klemmende Reihe zuhause denken. Dabei hätte mir einfach ein bewussteres Tempo an der Maschine selbst gereicht. Eine gesunde Maschine klackert gleichmäßig; sobald daraus ein Schleifen oder Knirschen wird, hängt meistens ein Faden fest oder eine Masche hat sich schon verheddert, bevor man es überhaupt sieht.
Weitere Ursachen, die mitspielen
Auch die Fadenspannung mischt hier mit; zu locker bilden sich Schlaufen, zu stramm zieht es die Maschen so eng, dass sie beim nächsten Mal nicht mehr über den Haken rutschen, aber das ist ein eigenes, größeres Thema für sich. Genauso spielt die Garnwahl rein, weil ungeeignete Handstrickwolle oft nicht sauber durch die Spannfeder läuft; welche Wolle sich für den Einstieg eignet, habe ich separat zusammengefasst: Wolle für die Brother Strickmaschine. Ist die Maschine falsch eingefädelt, tanzen die Maschen sowieso, wie sie wollen, und eine ungenaue Maschenprobe rächt sich meistens erst viel später im fertigen Stück. Besonders ärgerlich wird ein Maschenfall übrigens, wenn er ausgerechnet beim Abketten passiert, aber auch das ist nochmal eine eigene Baustelle für sich.
Was am Ende wirklich geholfen hat
Bevor ich einen Kurs gekauft habe, habe ich mir jede englischsprachige YouTube-Anleitung angeschaut, die ich finden konnte, und fast nichts davon wirklich verstanden, weil die Begriffe für Nadelbett, Schlitten und Zungenteile einfach anders waren und ich ständig nachschlagen musste, was überhaupt gemeint ist. Erst als ich angefangen habe, die Maschenbildung wirklich zu verstehen, statt nur an Symptomen herumzudrücken, wurden die Löcher seltener.
Meine Kollegin Gabi hält von der ganzen Sache bis heute nicht besonders viel. Sie fragt beim Mittagessen regelmäßig, wozu der ganze Aufwand gut sein soll, wenn es Pullover doch fertig zu kaufen gibt. Vielleicht hat sie nicht mal ganz unrecht, aber dann zieh ich wieder einen Schal vom Nadelbett, der einfach nicht aufhören will, schnurgerade, ohne ein einziges Loch, und weiß genau, warum ich weitermache.
Der Kurs Die gläserne Strickmaschine war für mich der Punkt, an dem sich das Blindraten gelegt hat: Schritt-für-Schritt-Erklärungen, die auch für eine komplette Anfängerin verständlich sind, dazu wiederkehrende Inhalte, durch die man im eigenen Tempo weiterlernt, und konkrete Übungen statt nur Theorie. Ganz perfekt ist das allerdings nicht. Nicht jeder Inhalt passt zu einer alten Brother, und ohne ein bisschen Disziplin bezahlt man am Ende für Lektionen, die man gar nicht anschaut.
Wer die Fehlersuche leid ist und endlich wissen will, warum welcher Hebel was bewirkt, statt weiter zu raten, findet in Die gläserne Strickmaschine genau die Erklärungen, die mir am Anfang gefehlt haben.