Meinen ersten Schal mit der Strickmaschine stricken: Tipps für blutige Anfänger

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Erster Schal auf der Brother Strickmaschine – Anleitung für Anfänger

Meine Nachbarin aus dem Erdgeschoss, Heidi Zanker, fragt mich jedes Mal als Erstes, wenn sie kurz bei mir vorbeischaut und die Brother Strickmaschine auf dem Tisch stehen sieht, wie lange es eigentlich dauert, bis man mit einer Strickmaschine wirklich brauchbare Sachen herstellt. Eine klare Antwort gebe ich ihr nie sofort, denn zu viel hängt vom ersten Projekt ab, von der Wolle, von der Geduld beim Einfädeln. Wer als kompletter Anfänger selbst überlegt, sich eine gebrauchte Strickmaschine zuzulegen, bekommt hier trotzdem eine ehrliche Einschätzung: die reale Zeit- und Kostenbilanz für einen ersten Schal, Schritt für Schritt, ohne Beschönigung.

Für dieses Lerntagebuch habe ich jede Stunde und jeden ausgegebenen Euro seit dem Kauf der Maschine notiert. Die Kurzfassung vorab: Ein erster Schal auf einer gebrauchten Maschine kostet ungefähr fünfzehn Stunden Arbeit und rund achtzig Euro, verteilt auf Maschine, Garn und ein paar improvisierte Werkzeuge. Diese Zahl stammt nicht aus einem Hochglanzprospekt, sondern aus der Summe von Fehlersuche, aufgetrennter Wolle und tatsächlichem Stricken. Wie diese Stunden im Detail zustande kommen, zeigt sich am besten Schritt für Schritt.

Was braucht man wirklich für den ersten Schal an der Strickmaschine?

Fünfzig Maschen breit, Maschenweite sieben, glatt rechts von Anfang bis Ende – mehr Plan brauchte das erste Projekt nicht. Löcher, Muster oder Formänderungen blieben bewusst außen vor, weil jede zusätzliche Entscheidung an der Maschine eine weitere Fehlerquelle bedeutet. Bevor überhaupt eine Nadel in Arbeitsposition stand, habe ich mir in der Stadtbücherei Augsburg ein altes Fachbuch über Handstrickmaschinen ausgeliehen, weil online vieles vorausgesetzt wird, was ein blutiger Anfänger schlicht nicht weiß. Die Anschaffungskosten lagen bei knapp achtzig Euro: sechzig für die gebrauchte Brother-Maschine, gut zwanzig für die ersten Knäuel Garn.

Acrylgarn schlägt Merinowolle beim ersten Versuch

Teure, handgefärbte Merinowolle ist für ein erstes Projekt an der Maschine keine gute Idee, so verlockend sie im Laden auch aussieht. Naturwolle reißt schneller und verhakt sich in den Nadeln, sobald die Fadenspannung nicht exakt stimmt. Sie stimmt aber bei Anfängern, die zum ersten Mal am Rädchen drehen, selten exakt. Billiges Polyacryl rutscht dagegen deutlich gleichmäßiger über das Metall und verzeiht ungleichmäßigen Zug von Hand. Wer unsicher ist, was in die eigene Maschine soll, findet in meinen Notizen zur Garnwahl für die Brother Strickmaschine eine Übersicht, die genau bei diesem Punkt ansetzt.

Bei meinem eigenen ersten Schal hatte ich die Fadenspannung nur nach Gefühl gewählt, ohne einen einzigen Teststreifen zu stricken. Das Ergebnis sah hinterher aus wie ein Waffelmuster statt wie glatte Maschen. Genauso hatte ich die Maschenprobe komplett übersprungen, weil sie mir wie unnötiger Zusatzaufwand vorkam; was das für die tatsächliche Größe des fertigen Stücks bedeutet, zeigt sich leider erst am Ende.

Acrylgarn in der Fadenspannung der Brother Strickmaschine – Garnwahl für den ersten Schal als Anfänger

Die Brother Strickmaschine richtig einfädeln

Bevor überhaupt ein Faden durch die Nadeln läuft, muss die Maschine sauber sein – bei einem Fund aus den 1980er Jahren bedeutet das ein Wochenende mit Wattestäbchen und altem Maschinenöl an den Fingern. Danach kommt das eigentliche Einfädeln, ein kleiner Balanceakt für sich: Der Faden läuft durch die Spannungsscheibe, und man spürt sehr genau, wie viel Zug zwischen Daumen und Zeigefinger nötig ist, damit er weder durchrutscht noch stockt. Genau dieser eine Handgriff entscheidet über die gesamte restliche Arbeit am Nadelbett, mehr als jeder andere Schritt im ganzen Prozess.

Der Wickelanschlag als erster Anschlag

Zum Anschlagen bietet sich für Einsteiger der Wickelanschlag an: kleine Schlaufen, einzeln über jede Nadel gelegt, ähnlich wie beim Schnürsenkelbinden, nur fünfzig Mal hintereinander. Der Vorgang dauert entsprechend lange, hält dafür aber zuverlässig, sobald der Schlitten zum ersten Mal durchläuft. Meine eigenen Erfahrungen zum Wickelanschlag an der Strickmaschine beschreiben die einzelnen Handgriffe genauer, falls die ersten Versuche genauso wackelig ausfallen wie meine.

Was tun, wenn der Schlitten blockiert?

Der Schlitten gehört immer langsam und gleichmäßig über das Nadelbett gezogen, nicht schnell durchgerissen, egal wie ungeduldig man gerade ist. Genau diesen Fehler habe ich selbst gemacht: den Schlitten einfach schnell durchgezogen statt langsam und gleichmäßig, worauf ein hässliches, kratzendes Geräusch folgte und der Faden riss. Das gesamte bis dahin gestrickte Stück fiel in einem Rutsch von den Nadeln, ungefähr so, wie ein Kuchen zerfällt, der zu früh aus der Form gestürzt wird. Meine Nachbarin Vreni Sattler aus dem zweiten Stock hat kurz danach an die Tür geklopft, weil sie das Geräusch offenbar bis zu sich hoch gehört hatte.

Grundsätzlich verliert man an einer Strickmaschine genau aus diesem Grund Maschen: Ruckartige Bewegungen oder eine falsche Spannung sorgen dafür, dass sich Maschen von den Nadeln lösen, bevor sie fest sitzen. Wer öfter mit genau diesem Problem kämpft, findet unter meinen Notizen dazu, warum eine Strickmaschine Maschen verliert, eine ausführlichere Fehlersuche.

Gewichte aus der Werkzeugkiste halten das Gestrick unten

Bei einer Strickmaschine muss das Gestrick während der Arbeit ständig nach unten gezogen werden, sonst nehmen die Nadeln die Maschen beim nächsten Durchgang einfach wieder mit nach oben. Ohne passende Original-Gewichte für die gebrauchte Maschine musste improvisiert werden: ein paar schwere Muttern aus der Werkzeugkiste, befestigt an großen Büroklammern, ziehen das Gestrick seitdem zuverlässig nach unten. Professionell sieht das nicht aus, funktioniert aber genauso gut wie die Originalteile – der Schlitten läuft seitdem spürbar ruhiger.

Selbstgebaute Gewichte aus Muttern am Strickstück – Anfänger-Trick gegen Maschenfall an der Strickmaschine

Fünfzehn Stunden Arbeit stecken im ersten Schal

Zurück zur Ausgangsfrage: Rund fünf Stunden gingen allein in die Fehlersuche, warum der Schlitten klemmt oder eine Masche fällt, meistens lag die Ursache an einer falsch eingestellten Fadenspannung oder an fehlenden Gewichten. Weitere drei Stunden verschwanden im Auftrennen, wenn wieder ein ganzer Wollberg auf dem Boden lag statt ordentlich auf den Nadeln zu sitzen. Rund sieben Stunden reines Stricken über achthundert Reihen ergaben am Ende etwa einen Meter sechzig Länge. In Summe stehen also fünfzehn Stunden für ein Stück Stoff, das im Laden in fünf Minuten für zehn Euro zu kaufen wäre, trotzdem gehört dieser Schal auf eine Art dazu, die kein gekauftes Stück je erreicht.

Abketten als letzter Schritt zum fertigen Schal

Sitzen alle Reihen, kommt die nächste Hürde: das Abketten, also das saubere Herunternehmen der Maschen von der Nadel, ohne dass sich das ganze Stück wieder auflöst. Mit einer normalen Häkelnadel lässt sich das Masche für Masche erledigen, die einzige Technik im gesamten Prozess, bei der man sich nicht wie im Porzellanladen fühlt. Genauere Schritte dazu stehen in meiner Anleitung zum Maschen abketten an der Strickmaschine, falls die eigene erste Kante genauso einrollen sollte wie meine.

Ein bisschen Einrollen an den Kanten ist bei glatt rechts gestrickten Stücken ohnehin normal, und eine einzelne verlorene Masche lässt sich notfalls von Hand nachkonstruieren. Für rund achtzig Euro Gesamtkosten steht am Ende trotzdem ein echtes erstes Projekt: kein Meisterwerk, aber ein fertiges Stück Stoff, das tatsächlich um den Hals passt.

Mittlerweile fädle ich die Maschine ein, ohne einmal ins Notizbuch schauen zu müssen, was am Anfang undenkbar war. Genau darauf würde ich Heidi antworten, wenn sie beim nächsten Vorbeischauen wieder fragt, wie lange es bis zu wirklich brauchbaren Sachen dauert: Rechne mit einem ersten Projekt von rund fünfzehn Stunden, mit Fehlversuchen inklusive, und mit wachsendem Vertrauen bei jedem Handgriff danach. Wer diese Zahl im Kopf hat, bevor die eigene erste Maschine ankommt, startet ehrlicher in das Projekt, als ich es damals getan habe.