Brother Strickmaschine Nadeln austauschen: So repariere ich mein altes Nadelbett

Brother Strickmaschine Nadeln austauschen: So repariere ich mein altes Nadelbett

Mitte November. Draußen ist es grau, und in meinem kleinen Bastelzimmer sieht es aus wie nach einer Explosion in einer Textilfabrik. Ich sitze fassungslos vor meiner 60-Euro-Maschine vom Flohmarkt und könnte heulen. Zum zehnten Mal in Folge sind mir die Maschen einfach vom Nadelbett gerutscht. Es ist, als hätten sie ein Eigenleben und wollten einfach nicht auf diesen Metallhaken bleiben.

Mein Lerntagebuch lügt nicht, auch wenn ich es gerne würde. Da steht es schwarz auf weiß: 15 Stunden Arbeit in dieser Woche, 0 Zentimeter Gestricktes. Frustlevel? Irgendwo zwischen 'Ich verkauf das Ding wieder' und 'Ich werf es aus dem Fenster'. Wenn ich häkle, hab ich die Kontrolle. Aber diese alte Brother? Die macht, was sie will. Oder besser gesagt: Sie macht gar nichts mehr.

Der Moment der Wahrheit: Wenn der Schaumstoff bröselt

Ich hab mich dann endlich getraut, die Nadeln genauer anzusehen. Ein paar sahen irgendwie schief aus, und die kleinen Klappen – die Profis nennen sie wohl Latches – klemmten. In einem Forum hab ich gelesen, dass man bei alten Maschinen als Erstes die Sperrschiene prüfen muss. Also hab ich dieses lange Metallteil an der Seite vorsichtig rausgezogen.

Ganz ehrlich? Mir ist fast schlecht geworden. Was da zum Vorschein kam, war kein Schaumstoff mehr. Das war schwarzer, klebriger Matsch. Nach 40 Jahren hat sich das Innenleben einfach aufgelöst. Dieses klebrige, fast teerartige Gefühl an meinen Fingerspitzen war so ekelhaft, dass ich es am Ende nur mit Nagellackentferner wieder losgeworden bin. Mein ganzer Küchentisch war voll mit diesen schwarzen Krümeln.

Diese Sperrschiene (oder Sponge Bar) ist eigentlich das Herzstück. Sie drückt die Zungennadeln nach unten, damit sie fest im Bett sitzen. Wenn der Schaumstoff platt oder – wie bei mir – flüssig ist, schlackern die Nadeln herum. Kein Wunder, dass der Schlitten ständig hängen bleibt oder Maschen verliert. Es ist wie beim Backen: Wenn die Form nicht eingefettet ist, bleibt der Kuchen kleben. Hier war es eben der Matsch, der alles blockiert hat.

Die Reparatur: 18 Euro und eine ordentliche Portion Panik

Ich hab mir also eine neue Sperrschiene für etwa 18 Euro bestellt. Und weil ich schon dabei war, auch gleich zehn neue Ersatznadeln für je 1,50 Euro. Man gönnt sich ja sonst nichts, oder? Als die Teile ankamen, stand ich vor dem nächsten Berg: Wie krieg ich die alten Nadeln da raus, ohne dass mir die ganze Mechanik um die Ohren fliegt?

Ich sag's dir, wie es ist: Der Moment, als ich die erste Nadel herauszog, war pure Panik. Ich dachte wirklich, ich hätte die Maschine jetzt endgültig geschrottet. Es hat geknackt, es hat Widerstand gegeben, und ich sah mich schon wieder auf dem Flohmarkt nach Ersatz suchen. Aber siehe da: Mit ein bisschen sanfter Gewalt (und viel gutem Zuspruch) kamen sie raus.

Mein Geheimtipp gegen den Widerstand

Hier kommt eine Sache, die ich auf die harte Tour gelernt habe: Hör bitte auf, die Nadeln einzeln mit Gewalt zu forcieren, wenn es hakt! Oft ist gar nicht die Nadel selbst kaputt. Über die Jahrzehnte bildet sich ein verharzter Schmierfilm im Nadelbett. Das ist wie altes Frittierfett in der Abzugshaube – zäh und klebrig.

Bevor du also ein Vermögen für 200 neue Nadeln ausgibst, probier mal das: Zieh die Nadeln raus und leg sie in ein Bad aus Reinigungsbenzin oder lass sie ordentlich auslüften, nachdem du sie abgewischt hast. Oft kleben sie nur fest. Ein Austausch ist manchmal komplett überflüssig, wenn man den Schmodder erst mal weg hat. Ich hab nur die wirklich krummen Nadeln ersetzt, die anderen durften nach einem 'Bad' wieder zurück.

Schritt für Schritt: So hab ich es gemacht

Letzte Woche, bei meinem ersten erfolgreichen Probestück, kam dann der Moment der Belohnung. An einem grauen Samstagmorgen im Januar saß ich da, hab den Schlitten geschoben und... Klick-Klack. Ein sauberes, rhythmisches Geräusch. Kein Hakeln, kein Reißen, keine Flüche meinerseits.

Endlich: Das erste Mal 'Klick-Klack' ohne Knoten

Nach etwa zwei Monaten voller Fehlversuche und diesem ekligen Schaumstoff-Erlebnis hat mein Tagebuch heute zum ersten Mal keine Fehlerliste, sondern ein echtes Erfolgserlebnis. Es ist ein bisschen wie beim ersten Mal Brother richtig einfädeln lernen – wenn man erst mal versteht, warum die Technik streikt, verliert man die Angst davor.

Insgesamt habe ich jetzt etwa 80 Euro investiert (60 für die Maschine, 18 für die Schiene und ein paar Euro für Nadeln). Das ist immer noch ein Schnäppchen für ein Gerät, das neu ein Vermögen kosten würde. Und das Beste? Ich weiß jetzt, wie meine Maschine von innen aussieht. Wir sind jetzt quasi per Du.

Wenn du also auch so ein altes Schätzchen zu Hause hast: Trau dich ran an das Nadelbett. Es ist kein Hexenwerk, es ist nur ein bisschen schmutzig. Und falls du dich fragst, wie man den ganzen Wollstaub loswird, der sich unter den Nadeln ansammelt – darüber hab ich mich auch schon mal ausgelassen, als ich fast den Staubsauger geschrottet hätte.

Bis zum nächsten Eintrag in meinem Chaos-Tagebuch!