Woche 1: Wie ich auf dem Flohmarkt eine Brother für 60 Euro fand (und keine Ahnung hatte, was ich da tue)

Aktualisiert
Woche 1: Wie ich auf dem Flohmarkt eine Brother für 60 Euro fand (und keine Ahnung hatte, was ich da tue)

Anfang Januar 2026. Es war einer dieser typischen Augsburger Sonntage – neblig, feuchtkalt und eigentlich viel zu früh, um draußen zu sein. Aber ich stand trotzdem auf dem Augsburger Plärrer, die Hände tief in den Manteltaschen vergraben. Eigentlich wollte ich nur nach ein paar alten Übertöpfen suchen. Und dann stand er da. Ein schwerer, beiger Koffer unter einem wackeligen Tapeziertisch.

Werbliche Kennzeichnung gemäß § 5a UWG: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalte ich eine Provision vom Händler -- der Endpreis für Sie bleibt unverändert.

Bevor ich dir von meinem Kampf mit diesem Metall-Monster erzähle: In meinem Lerntagebuch findest du ab und zu Links zu Kursen oder Zubehör. Wenn du über einen dieser Links etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – für dich kostet es keinen Cent mehr. Ich empfehle hier nur Sachen, die ich selbst benutze, um dieses Technik-Wunder zu bändigen. Ich habe sie alle selbst getestet und für gut befunden.

Der 60-Euro-Moment: Mut oder Wahnsinn?

Der Verkäufer, ein älterer Herr mit einer dampfenden Thermoskanne, sah mich an und sagte: "Die stand bestimmt 20 Jahre im Keller meiner Schwester. Keine Ahnung, ob die noch geht. 60 Euro und sie gehört dir." 60 Euro. Das ist ein Wocheneinkauf. Oder eben eine echte Brother Strickmaschine. Ich kann häkeln, ich kann ein bisschen mit der Hand stricken (solange es nur Schals sind), aber von Maschinen? Absolut null Plan.

Aber die Neugier war stärker als der Verstand. Ich dachte an all die Pullis, die ich in Rekordzeit stricken könnte. Nicht mehr wochenlang an einem Ärmel sitzen! Also habe ich die Scheine hingeblättert. 60 Euro bar auf die Kralle – und der Spaß fing erst an. Der Transport zum Auto war nämlich die erste Lektion: 15 Kilo massives Metall fühlen sich über das Augsburger Kopfsteinpflaster an wie 50 Kilo Blei. Mein Rücken hat schon da das erste Mal leise „Nein“ gesagt. Es war, als würde ich einen Sack Kartoffeln in den vierten Stock schleppen, nur dass Kartoffeln keine scharfen Kanten haben.

Nahaufnahme des Schlittens einer alten Brother Strickmaschine mit mechanischen Details.

Das Erwachen im Wohnzimmer

Als ich den Koffer zu Hause endlich auf den Boden gewuchtet und geöffnet habe, kam mir erst mal eine Wolke entgegen. Ein Geruch aus altem, ranzigem Öl und Kellerstaub. Und da lagen sie: 200 Nadeln, die mich wie die Zähne eines Raubfischs anstarrten. Ich saß bestimmt zehn Minuten einfach nur davor und dachte: Das ist kein Handwerk, das ist Raketenwissenschaft aus den 80er Jahren. Was habe ich mir nur dabei gedacht?

Mein erster Impuls? Den Schlitten nehmen und einmal drüberschieben. Einfach mal gucken, was passiert. Also hab ich gedrückt. Und geschoben. Nichts bewegte sich. Ich versuchte den Schlitten mit Gewalt über die Nadeln zu schieben, ohne zu merken, dass die Transportsicherung noch verriegelt war – ein hässliches Knirschen inklusive. Mein Herz ist kurz stehen geblieben. 60 Euro Schrott in weniger als fünf Minuten? Gott sei Dank war es nur das Metall, das sich lautstark beschwert hat. Es war wie beim Backen, wenn man vergisst, die Form einzufetten – es klebt einfach alles fest.

Ich hab dann erst mal die Anleitung gesucht. Ein vergilbtes Heftchen, das so riecht wie die Bibliothek meiner Oma. Die Zeichnungen darin? Als hätte jemand versucht, ein Raumschiff mit einem Bleistift zu erklären. Ich hab nur Bahnhof verstanden. Maschenweite? Nadelrückholer? Fadenspannung? Ich wollte doch nur einen Schal stricken und nicht promovieren.

Putzorgie mit Nebenwirkungen

Ein paar Tage später war dann mein „Großputztag“. Ich habe mir für etwa vierzehn Euro WD-40 und ein Set kleiner Bürsten besorgt. Insgesamt habe ich drei Stunden lang jede einzelne Nadelritze geschrubbt. Das klebrige Gefühl von verharztem Maschinenöl an meinen Fingerspitzen war das Schlimmste – das verschwand selbst nach dreimaligem Händewaschen mit Spülmittel nicht ganz. Es fühlte sich an, als wäre ich jetzt fest mit der Maschine verwachsen. Meine Hände sahen aus, als hätte ich ein Auto repariert, nicht als würde ich ein kreatives Hobby starten.

Hände beim Reinigen der Nadeln einer Strickmaschine mit einer Bürste.

Und dann kam die körperliche Quittung. Ein stechender Schmerz im unteren Rücken am nächsten Morgen, weil ich drei Stunden lang in gebückter Haltung die Nadelkanäle mit einer alten Zahnbürste bearbeitet habe. Wer hätte gedacht, dass Stricken ein Leistungssport für die Wirbelsäule ist? Ich fühlte mich wie achtzig, nicht wie achtunddreißig. Aber hey, die Maschine glänzte danach zumindest im fahlen Winterlicht.

Das Problem mit dem Esstisch

Hier kommt der Punkt, den dir kein Profi-Handbuch verrät: Wo stellt man das Ding eigentlich hin? In meiner Wohnung in Augsburg gibt es keinen Hobbyraum. Also landete die Brother auf dem Esstisch. Das heißt: Wenn wir essen wollen, muss das 15-Kilo-Monster weg. Oder wir essen auf dem Sofa. Momentan essen wir auf dem Sofa. Diese ständige Auf- und Abbauerei ist nämlich die größte Hürde, wenn man eigentlich nur mal kurz eine Reihe stricken will. Man braucht echt einen festen Platz, aber den muss ich mir erst noch erkämpfen. Mein Mann schaut schon immer ganz skeptisch, wenn er seinen Teller zwischen Garnrollen und Schraubenziehern balancieren muss.

Ich habe auch schnell gemerkt, dass die alte Sperrschiene (oder Nadelsperrschiene, wie die Profis sagen) völlig platt war. Der Schaumstoff darin war nur noch klebriger Matsch. Noch so ein Ding, das man als Anfängerin nicht weiß. Ich dachte, die Nadeln müssen so locker da rumwackeln. Pustekuchen! Also noch mal recherchiert und gelernt: Ohne neuen Schaumstoff geht hier gar nichts. Das ist wie mit einem Fahrrad ohne Luft in den Reifen – man kommt zwar vorwärts, aber es macht keinen Spaß und macht alles kaputt.

Was ich in Woche 1 gelernt habe

Ich habe in dieser ersten Woche genau Null Maschen gestrickt. Aber ich habe eine Maschine, die jetzt zumindest sauber ist und nicht mehr nach feuchtem Keller riecht. Ich habe gelernt, dass man Gewalt bei diesen Maschinen besser lässt und dass WD-40 mein neuer bester Freund ist. Es ist ein langsamer Prozess, viel langsamer als ich dachte. Ich dachte, ich schalte das Ding ein (obwohl es nicht mal Strom braucht, außer für den Mustercomputer, den ich noch gar nicht verstehe) und los geht's. Aber nein.

Strickmaschine auf einem Esstisch in einer gemütlichen Wohnung.

Damit ich nicht völlig den Verstand verliere, habe ich angefangen, nach echter Hilfe zu suchen. Ich brauche jemanden, der mir das Schritt für Schritt erklärt, als wäre ich fünf Jahre alt. Die gläserne Strickmaschine ist da gerade mein absoluter Rettungsanker. Da wird nicht vorausgesetzt, dass ich schon weiß, wie man die Fadenspannung an der Strickmaschine richtig einstellt. Das ist genau das Tempo, das ich brauche, wenn ich nicht will, dass die Brother nächste Woche wieder auf dem Flohmarkt landet. In diesem Kurs lerne ich endlich, was diese ganzen Knöpfe eigentlich sollen, ohne dass ich jedes Mal Angst haben muss, etwas abzubrechen.

Es ist schon ein komisches Gefühl. Da arbeitet man halbtags im Büro, organisiert alles Mögliche, und dann scheitert man an einem Gerät, das vor vierzig Jahren gebaut wurde. Aber ich bleibe dran. Ich will diesen ersten Schal sehen! Auch wenn ich jetzt erst mal lernen muss, warum meine Strickmaschine Maschen verliert, noch bevor ich überhaupt die erste Reihe fertig habe. Es ist eine Geduldsprobe, ehrlich.

Meine Bilanz der Woche 1:

Nächste Woche versuche ich, den ersten Faden einzufädeln. Drück mir die Daumen, dass ich mich nicht selbst darin einwickle. Wenn du auch so ein altes Schätzchen im Keller hast und dich nicht traust: Du bist nicht allein. Wir kriegen das hin, auch wenn der Esstisch jetzt erst mal besetzt ist! Vielleicht schaust du dir ja auch mal an, wie mir Die gläserne Strickmaschine beim Verstehen meiner Brother geholfen hat – es nimmt einem echt die Angst vor der Technik.

Ich halte dich auf dem Laufenden, ob aus den 60 Euro eine echte Liebe wird oder ob ich das Teil irgendwann aus dem Fenster werfe. Aber heute bin ich erst mal stolz, dass sie sauber ist. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein riesiger Schritt für Marlies und ihre Brother.