
Ein einzelnes Klicken, wenn die Nadel oben einrastet, mehr braucht es nicht, um zu wissen, ob die Fadenspannung an meiner Brother Strickmaschine stimmt. Fünf Wochen hat es gedauert, bis ich dieses Geräusch überhaupt bewusst wahrgenommen habe, und erst dann hat sich beim Maschinenstricken wirklich etwas verändert. Diese Anfänger-Tipps zur Fadenspannung hätten mir am Anfang eine Menge Nerven gespart.
Die Nadel klickt, dann weiß ich Bescheid
Am Anfang habe ich die Bedienungsanleitung übersprungen und einfach losgelegt. Kein Vorwurf an mein früheres Ich, aber eine gute Idee war das nicht. Die Maschine kostete 60 Euro vom Flohmarkt, ich war so stolz darauf, dass ich sie sofort einfädeln wollte, ohne ein einziges Wort der Anleitung zu lesen. Am Ende hing ein Fadenknäuel unter dem Schlitten, das aussah, als hätte eine Katze damit gespielt.
Genau da habe ich gelernt, dass Ungeduld beim Maschinenstricken die teuerste Zutat überhaupt ist. Nicht das Geld für die Maschine selbst, sondern die Wolle, die man dabei verheizt. In meinem Lerntagebuch steht für diese erste Woche: drei Stunden gesessen, keine einzige brauchbare Reihe geschafft.

Die Feder an der Antenne und ihr Eigenleben
Oben auf der Maschine sitzt ein dünner Drahtmast, den ich insgeheim meine Antenne nenne. Lange dachte ich, der sei nur dafür da, dass der Faden nicht auf dem Tisch schleift. Die Feder daran macht aber die eigentliche Arbeit: Sobald der Schlitten am Ende einer Reihe stoppt, muss sie den locker gewordenen Faden sofort straffziehen. Tut sie das nicht, bildet sich seitlich eine kleine Schlaufe, und in der nächsten Reihe verheddert sich der Schlitten genau darin.
Zwanzig Stunden habe ich vermutlich nur damit verbracht, diese eine Feder beim Stricken zu beobachten. Hängt sie schlaff nach unten, ist die Spannung oben am Mast zu locker. Biegt sie sich so weit, dass ich Angst um sie habe, ist es zu fest. Ähnlich wie beim Teigkneten von Hand — das richtige Gefühl in den Fingern kommt erst mit der Zeit.
Maschenweite oder Fadenspannung – wo ist der Unterschied?
Beim Umstellen habe ich diese beiden Dinge am Anfang ständig verwechselt. Es gibt ein großes Rad direkt auf dem Schlitten, das die Maschenweite regelt, und kleine Metallscheiben oben am Spannmast, die für die Fadenspannung zuständig sind. Eine niedrige Maschenweite ergibt enge, feste Maschen wie bei einem Teppich, eine hohe Zahl macht sie groß und locker wie ein Fischernetz. Die Fadenspannung dagegen regelt nur, wie schwer der Faden aus dem Knäuel nachkommt, damit der Fadenweg immer unter Zug bleibt.
Mein größter Fehler war, bei dünner Sockenwolle die Maschenweite richtig einzustellen, aber die Spannung oben komplett locker zu lassen. Die Maschen wickelten sich um die Nadelköpfe, bis der Schlitten stehenblieb. An diesem Nachmittag musste ich gut 15 Euro Wolle mit der Schere von der Maschine schneiden, weil nichts mehr ging.
Wolle über Paraffin laufen lassen
Ein Durchbruch kam, als ich mit einer sehr stumpfen Baumwolle gestrickt habe, die beim Ziehen des Schlittens regelrecht gequietscht hat, wie Fingernägel auf einer Tafel. Der Schlitten ließ sich nur mit Kraft bewegen, und ich dachte erst, das läge an meinen Armen und nicht an der Wolle.
Dann bin ich in einem alten Forum über Paraffin gestolpert. Man lässt den Faden vor der Maschine über ein Stück davon laufen, wie ein Gleitmittel für Wolle. Danach fuhr der Schlitten, als würde er über Butter gleiten. Wenn du dich fragst, warum deine Strickmaschine Maschen verliert, liegt es öfter an stumpfem Garn, das nicht sauber durch die Spannscheiben läuft, als an den Nadeln selbst.
Meine Bekannte Seraphine, die jeden Wollladen in Augsburg im Kopf hat, brachte mir danach ungefragt ein Stückchen Paraffin von einem Kerzenrest vorbei.

Meine Fünf-Punkte-Checkliste am Bastelzimmertisch
Im Bastelzimmer, eigentlich nur eine Ecke im Hinterhof-Apartment in Göggingen, steht ein alter Eichenholzschreibtisch aus den Siebzigern als Maschinenunterlage. Die Brother ist nicht verschraubt, zwei Schraubzwingen halten sie fest genug, dass nichts wandert. Über dem Tisch hängt schräg ein kleiner runder Spiegel, mit dem ich die Nadelreihe von oben sehen kann, ohne mich jedes Mal vorzubeugen.
Bevor ich heute überhaupt die erste Reihe starte, prüfe ich immer dieselben Punkte, mittlerweile gut 150 Euro Zubehör und Ersatzteile weiter als am Anfang. Läuft der Faden wirklich zwischen den Metallscheiben oben am Mast, oder ist er danebengerutscht? Hängen genug Gewichte an der Arbeit, damit die Maschen von den Nadeln rutschen können? Wie sieht der Probelappen aus, zwanzig Maschen, zwanzig Reihen, bevor ich an irgendetwas anderem drehe? Ist das Maschenbild dabei ungleichmäßig, drehe ich an der Spannung oben am Mast, nicht an der Maschenweite am Schlitten. Und wie klingt die Maschine dabei — schnurrt sie, oder hakt und kracht es metallisch? Bei Letzterem höre ich sofort auf.
Am Fensterrahmen zum Hinterhof hängen inzwischen mit Wäscheklammern ein paar Wollproben-Streifen zum Trocknen, jeder mit seiner eigenen Spannungseinstellung beschriftet. Am Samstag bin ich sogar extra bis zur Galeria am Königsplatz in Augsburg gefahren, nur um eine ordentliche Fadenschere zu kaufen, weil meine alte Nagelschere die Fäden mehr ausgefranst als sauber geschnitten hat. Wie gut das Einfädeln selbst gelingt, ist übrigens eine eigene Geschichte für sich — ich habe extra aufgeschrieben, wie ich meine Brother richtig einzufädeln gelernt habe, ohne dabei jedes Mal einen Nervenzusammenbruch zu bekommen.
Am Ende zählt nur, ob der Faden gleichmäßig läuft
In Woche 5 habe ich die Maschenprobe mit dem Lineal nachgemessen, auf den Millimeter genau, und meine Berechnung für den Pulliärmel ist aufgegangen. Kein großer Moment von außen betrachtet, aber für mich war das der Beweis, dass ich die Spannung inzwischen im Griff habe und nicht nur Glück hatte.
Welches Garn überhaupt aufs Nadelbett darf, ist übrigens ein eigenes Thema, das ich hier nicht aufrolle, genauso wie das Abketten am Ende einer Arbeit. Beides hängt mit der Fadenspannung zusammen, aber jedes für sich verdient einen eigenen Nachmittag.
Die eine Lektion aus diesen fünf Wochen: Fadenspannung lässt sich nicht nach Tabelle einstellen, sie will gefühlt werden, Wolle für Wolle neu. Genau das würde ich jedem Anfänger mitgeben, der gerade seine erste Maschine einfädelt — lieber einmal zu oft den Probelappen stricken, als eine ganze Wollpackung wegwerfen zu müssen.