Bunte Motive: Intarsien stricken an der Strickmaschine ohne Spannfäden

Bunte Motive: Intarsien stricken an der Strickmaschine ohne Spannfäden

Einen verregneten Sonntagnachmittag Ende letzten November saß ich vor meiner alten Brother, umgeben von einem Knäuel-Chaos, das aussah, als hätte eine Horde Katzen darin gewohnt. Ich wollte ein einfaches buntes Muster stricken, aber die Rückseite sah aus wie ein Spinnennetz aus losen Fäden. Ganz ehrlich? Ich hätte das Ding am liebsten aus dem Fenster in den Augsburger Regen geworfen.

Bevor ich euch von meinem Durchbruch erzähle: Diese Seite enthält Affiliate-Links. Wenn du über einen meiner Links einen Kurs kaufst, bekomme ich eine kleine Provision – für dich entstehen keine zusätzlichen Kosten. Ich empfehle nur Sachen wie die Kurse von der gläsernen Strickmaschine, die ich selbst nutze, um dieses Metall-Monster zu bändigen.

Das Problem mit den Spannfäden (Fair Isle Frust)

Beim normalen zweifarbigen Stricken (Norwegermuster) hat man auf der Rückseite immer diese Spannfäden. Wenn die zu lang sind, bleibt man beim Anziehen mit dem Ring oder dem Finger hängen. Das ist wie bei einem gehäkelten Top, bei dem man die Fäden nicht richtig vernäht hat – total nervig. Ich wollte aber große, klare Farbflächen. So wie beim Handstricken, wo man für jedes Farbfeld ein eigenes Knäuel nimmt. Man nennt das Intarsie.

Meine alte Brother hat einen Nadelabstand von 4,5 mm. Auf dem Nadelbett liegen insgesamt 200 Nadeln. Das klingt nach viel Platz, aber wenn man versucht, dort manuell Farben zu wechseln, ohne zu wissen, was man tut, endet es in einer Katastrophe. Während der Weihnachtsfeiertage habe ich drei Tage lang nur Knoten produziert. Ich dachte echt, ich bin zu doof dafür.

Nahaufnahme der Nadeln in E-Position beim Intarsienstricken ohne Spannfäden.

Der Moment, in dem alles schiefging

An einem verregneten Wochenende im März wollte ich es dann wissen. Ich hatte mir vorgenommen, ein einfaches geometrisches Motiv zu stricken. Ich schob die Nadeln in die E-Position – dieses helle, metallische „Klack-Klack“, wenn die Nadeln nach vorne rasten, ist eigentlich total befriedigend. Aber dann kam der Fehler, den ich nie vergessen werde. Ich habe den Schlitten rübergezogen und total vergessen, den rosa und den blauen Faden zu verkreuzen.

Das Ergebnis? Ein klaffendes, drei Zentimeter großes Loch mitten im Gestrick. Ich starrte darauf und dachte nur: „Wenn ich diese Reihe jetzt vermassle, muss ich 40 einzelne Garnschlaufen von Hand aufribbeln, und ich schwöre, dann fang ich an zu weinen.“ Es ist dieses Gefühl in der Küche, wenn man einen Kuchen backt und beim Rausnehmen merkt, dass man das Backpulver vergessen hat. Nur dass der Kuchen hier aus Wolle ist und 60 Euro gekostet hat.

Was ich damals noch nicht wusste: Es gibt für die Brother einen speziellen Intarsien-Schlitten, den KA-8210. Aber auch ohne den kann man mit den richtigen Einstellungen am normalen Schlitten arbeiten, wenn man weiß, wie man die Nadeln in die richtige Position bringt. Mein größtes Problem war aber gar nicht die Technik an sich, sondern meine Augen.

Die Herausforderung für die Augen: Wenn die Sicht nicht mitspielt

Das ist etwas, worüber kaum jemand spricht: Intarsien an der Maschine erfordern eine enorme visuelle Präzision. Man muss den Faden manuell über die offenen Nadelzungen legen. Bei einem Nadelabstand von nur 4,5 mm und 200 Nadeln ist das für Menschen mit Sehbehinderung oder einfach nur müden Augen eine echte Qual. Ich habe oft die falsche Nadel erwischt oder eine Zunge übersehen, die nicht offen war.

Ich habe gemerkt, dass die Nackenverspannung nicht vom Stricken kam, sondern davon, dass ich mit der Nase fast am Nadelbett klebte, um zu sehen, ob der Faden richtig liegt. Ohne eine gute Lupenlampe oder zumindest eine extrem helle Tageslichtleuchte ist die Intarsien-Technik für mich fast unmöglich. Man braucht diese taktile Sicherheit – man muss fühlen, ob der Faden in der Nadel liegt, wenn man ihn schon nicht perfekt sieht.

Eine Lupenlampe beleuchtet die Strickmaschine für präzises Arbeiten bei Sehschwäche.

Der Wendepunkt: Ein System statt Rätselraten

Vor ein paar Wochen kam dann der Durchbruch. Ich habe angefangen, im Kurs Die gläserne Strickmaschine gezielt nach der Intarsien-Lektion zu suchen. Endlich hat mir jemand erklärt, wie man die Fäden so verkreuzt, dass eben keine Löcher entstehen. Es ist wie beim Häkeln von Amigurumi – wenn man einmal das System verstanden hat, wie die Maschen ineinandergreifen, verliert es seinen Schrecken.

Ich habe gelernt, dass man bei der Brother die Nadeln ganz nach vorne schieben muss, damit die Zungen sicher aufgehen. In dem Kurs wird das so ruhig erklärt, dass sogar ich mit meinen „Anfänger-Panikattacken“ ruhig geblieben bin. Falls du auch ständig gefallene Maschen an der Strickmaschine hast, weißt du, wie wertvoll eine klare Anleitung ist.

Was diese Woche schiefgegangen ist

Ich habe mittlerweile gelernt, dass man den Schlitten richtig einstellen muss, damit er die Nadeln nicht wieder in die Ruheposition schiebt, bevor man den Faden eingelegt hat. Das ist alles kein Hexenwerk, aber man muss es einmal gezeigt bekommen. Wenn ich überlege, dass ich für meine Maschine nur 60 Euro gezahlt habe, ist es Wahnsinn, was man damit machen kann, wenn man aufhört zu raten.

Wenn du auch gerade erst anfängst und dich fragst, ob du jemals mehr als nur gerade Schals produzieren wirst: Gib nicht auf. Schau dir mal warum sich der Kauf der gläsernen Strickmaschine lohnt an. Es hat mir den Arsch gerettet, als ich kurz davor war, alles hinzuschmeißen. Intarsien sind die Königsdisziplin, aber die saubere Rückseite ohne diese nervigen Spannfäden ist jede Minute wert, die man fluchend vor der Maschine verbringt.