Welche Wolle für die Brother Strickmaschine? Tipps zu Garnstärken für Anfänger

Garnkunde für die Brother KH-Strickmaschine: Wollproben in unterschiedlichen Stärken für Anfängerinnen beim Maschinenstricken

200 Nadeln liegen bei meiner Brother-Strickmaschine dicht an dicht auf dem Bett, und keine einzige davon verzeiht dickes Garn. Genau da hakt es bei fast jeder Anfängerin, die sich beim Maschinenstricken zum ersten Mal an eine Brother-KH-Maschine wagt: Welche Garnstärke passt überhaupt, und woran merkt man das, bevor der Schlitten zum ersten Mal blockiert? Diese Garnkunde-Fragen bekomme ich am häufigsten gestellt, deshalb beantworte ich sie hier der Reihe nach.

Welche Garnstärke passt zur Brother KH-Strickmaschine?

Die kurze Antwort zuerst: Zuverlässig läuft bei meiner Maschine alles zwischen 4-ply und DK-Stärke, also grob zwischen 100 und 200 Metern pro 100 Gramm. Gröberes Garn klemmt den Schlitten fast garantiert. Feineres reißt oft schon beim ersten Anschlag der Nadeln, bevor überhaupt eine ordentliche Reihe zustande kommt. Bei meiner Standardstrickerin liegt der Nadelabstand bei 4,5 Millimetern - das klingt nach viel Platz, ist es aber nicht, wenn 200 Nadeln nebeneinander liegen und jede Masche irgendwo dazwischen unterkommen muss.

Zum Vergleich aus der Küche: Ein zu dicker Nudelteig geht auch nicht durch die schmale Walze der Nudelmaschine, ohne dass alles verklebt. Bei der Strickmaschine ist es ähnlich, nur dass am Ende keine Nudeln, sondern verbogene Nadeln oder gerissene Maschen dabei herauskommen.

Zu dickes Garn verbiegt schneller eine Nadel, als man schauen kann

Nahaufnahme der Nadeln einer Brother KH-Strickmaschine mit zu dickem Garn - ein typisches Anfängerproblem beim Maschinenstricken

Einmal hab ich ein Restknäuel durchgezogen, das eindeutig zu dick war. Ich dachte, ein einziges Mal wird schon nichts passieren. Der Schlitten blieb hängen, ich hab mit Kraft nachgeholfen, und danach lief eine Nadel leicht schräg im Bett. Ich hab versucht, sie selbst mit einer kleinen Zange wieder gerade zu biegen. Hat nicht wirklich funktioniert. Die Nadel klemmte danach noch mehr und musste am Ende ausgetauscht werden.

Mittlerweile erkenne ich das Problem schneller. Neulich hakte der Schlitten wieder, aber diesmal hatte ich den Fehler in etwa fünf Minuten gefunden: eine leicht schräg sitzende Nadel, nicht das Garn. Der Unterschied zwischen Panik und ruhiger Fehlersuche liegt oft einfach daran, ob man das Problem schon einmal gesehen hat.

Handgewickelte Knäuel machen der Maschine mehr Probleme als Konen

Ein Punkt, der am Anfang leicht übersehen wird: Es geht nicht nur um die Dicke des Garns, sondern auch darum, wie es aufgewickelt ist. Handstrickknäuel wickeln sich oft ungleichmäßig ab, bleiben mal hängen, rucken kurz - und schon hat der Schlitten keine gleichmäßige Spannung mehr. Konen, wie sie für Strickmaschinen gedacht sind, laufen dagegen von außen glatt ab, ohne dass sich das Knäuel dabei überhaupt bewegt.

Wer beim Einfädeln selbst noch unsicher ist, dem hilft Brother richtig einfädeln lernen weiter. Und wer sich fragt, warum trotz passender Garnstärke plötzlich Maschen verschwinden, findet mehr unter Warum verliert meine Strickmaschine Maschen? - die richtige Garnstärke bringt nämlich wenig, wenn der Faden von Anfang an falsch durch die Maschine läuft.

Nm-Zahlen und Wachs: Was auf der Garnrolle wirklich zählt

Auf größeren Garnrollen für Strickmaschinen steht oft eine Zahlenkombination wie Nm 28/2. Nm steht für Nummer metrisch - die erste Zahl gibt an, wie viele Meter Garn auf ein Gramm kommen, die zweite, aus wie vielen Fäden das Garn verzwirnt ist. Je höher die erste Zahl, desto feiner das Garn. Für meine Brother ist Nm 28/2 fast ein Standardmaß, das ich einfach, doppelt oder dreifach nehmen kann, je nachdem, wie dick das fertige Stück werden soll.

Hände wachsen Garn mit Paraffin für die Brother-Strickmaschine, ein Trick aus der Garnkunde für gleichmäßiges Maschinenstricken

Was zusätzlich hilft: das Garn vor dem Stricken leicht über einen Wachsblock laufen lassen. Danach gleitet der Schlitten spürbar leichter über das Nadelbett, weil das gewachste Garn weniger Reibung erzeugt. Wer genauer wissen will, wie das Garn dabei durch die Nadeln geführt wird, findet dazu mehr in Wie mir Die gläserne Strickmaschine beim Verstehen meiner Brother geholfen hat. Auch die Fadenspannung spielt hier mit rein - jede Wollsorte braucht eine etwas andere Einstellung, und das hat mich am Anfang deutlich mehr Nerven gekostet als die Garnstärke selbst.

Vor dem ersten Projekt eine Garnprobe machen

Bevor ich mit einem neuen Garn ein ganzes Teil anfange, teste ich inzwischen erst ein Stück auf ein paar Reihen. Eine kurze Maschenprobe kostet ein paar Minuten und erspart im Zweifel einen ganzen Abend Frust. Bei mir hängen mittlerweile mehrere solche Wollproben mit Wäscheklammern am Fensterrahmen im Hinterhof, jede mit Nadelstärke und Ergebnis beschriftet - ein kleiner runder Spiegel schräg über dem Tisch zeigt mir dabei die Nadelreihe von oben, ohne dass ich mich jedes Mal verrenken muss.

Als ich Gabi, einer Kollegin aus dem Architekturbüro, neulich am Rathausplatz von diesen Proben erzählt habe, wollte sie natürlich nicht wissen, wie viele Maschen das Stück am Ende hat, sondern nur, wie schwer es wiegt. Für sie ist Garnstärke offenbar sowieso nur eine Frage des Gewichts - eine ziemlich pragmatische Sicht auf die Sache, muss ich zugeben.

Kann ich dickeres Garn einfach doppelt nehmen?

Diese Frage stellt mir eine Leserin, Adele Witzig, in den Kommentaren immer wieder, weil sie gezielt nach Garnstärken für dickere Wollsorten fragt. Die Antwort: Ja, mit Einschränkungen. Zwei dünnere Fäden gemeinsam durch die Nadeln zu führen funktioniert oft besser, als ein einzelnes zu dickes Garn zu erzwingen, weil sich die Spannung gleichmäßiger verteilt. Trotzdem bleibt die Grenze durch den Nadelabstand bestehen - wenn zwei Fäden zusammen schon zu dick für die Lücke zwischen den Nadeln sind, hilft auch das Doppeln nicht mehr.

Am Ende bleibt Garnwahl bei der Brother-Maschine eine Frage des Ausprobierens, aber mit klaren Grenzen: Stärke zwischen 4-ply und DK, glatt genug zum Aufwickeln, dünn genug für den Nadelabstand. Wenn diese drei Dinge stimmen, macht später auch das Abketten am Ende deutlich weniger Kopfschmerzen.