Strickteile zusammennähen mit dem Matratzenstich für ein sauberes Ergebnis

Strickteile zusammennähen mit dem Matratzenstich für ein sauberes Ergebnis

24. Februar 2026. Ich sitze am Küchentisch, draußen ist es dieses eklige Augsburger Matschwetter und drinnen stapelt sich der Frust. Kennst du das, wenn du eigentlich fertig sein willst, aber das dicke Ende erst noch kommt? Ich habe diese Woche etwa acht Stunden an meiner Brother KH gesessen. Eigentlich ein Erfolg – das Vorderteil für meinen ersten richtigen Pullover war fertig. In Rekordzeit! Die Maschine mit ihren 200 Nadeln im 4,5 mm Abstand ist ja ein echtes Arbeitstier, wenn man sie erst mal versteht. Aber dann kam das Zusammennähen. Ich sag’s dir, wie es ist: Mein erster Versuch sah aus wie eine ungelenke Bastelarbeit aus der Grundschule.

Der Moment, in dem die Naht zur Wurst wurde

Ich dachte mir: Marlies, du kannst häkeln, du kannst ein bisschen Handstricken, wie schwer kann es sein, zwei Teile zu verbinden? Also hab ich einfach losgelegt. Irgendwie von links zusammengenäht, so wie man es bei Stoff macht. Das Ergebnis? Ein Grauen. Der Anblick meines ersten Versuchs war echt deprimierend. Die Naht war so fest gezogen, dass sie sich wie eine harte Wurst auf der Haut anfühlte. Wenn ich den Pullover angezogen hätte, hätte ich wahrscheinlich blaue Flecken an den Seiten bekommen. Total unelastisch, knubbelig und einfach nur hässlich.

In meinem Lerntagebuch steht für diesen Tag nur ein Wort: Warum?! Ich hab 60 Euro für diese Maschine auf dem Flohmarkt ausgegeben, kaufe Wolle, investiere Zeit – und am Ende sieht es aus wie gewollt und nicht gekonnt. Das Problem beim Maschinenstricken ist ja, dass die Maschen so perfekt und gleichmäßig sind. Da fällt jede ungelenke Handnaht doppelt auf. Es ist, als würde man ein Designer-Kleid mit einem Tacker flicken. Also hab ich das Ganze wieder aufgetrennt (was bei Wolle ja auch immer so eine Sache ist) und mich mit einer Tasse Kaffee und dem vergilbten Anleitungsheft meiner Brother hingesetzt.

Eine alte, vergilbte Bedienungsanleitung für eine Brother Strickmaschine liegt offen auf einem Tisch.

Die Entdeckung: Was ist dieser Matratzenstich eigentlich?

In der Anleitung gab es diese winzigen Skizzen zum Matratzenstich. Erst mal dachte ich: Oje, das sieht kompliziert aus. Aber die Grundidee ist eigentlich genial einfach. Man arbeitet nicht auf der Rückseite, sondern auf der „schönen“ rechten Seite. Das war für mich die erste große Erleuchtung. Wenn man sieht, was man tut, kann man auch weniger falsch machen, oder? Zumindest theoretisch.

Beim Matratzenstich sucht man sich die Querfäden zwischen der ersten und der zweiten Masche. Das ist bei den festen Randmaschen meiner Brother gar nicht so ohne. Die Maschine produziert ja manchmal recht stramme Kanten, besonders wenn ich nicht aufpasse. Aber wenn man mit der stumpfen Nadel erst mal diese kleinen „Leitersprossen“ (so nenne ich die Querfäden) gefunden hat, wird es fast meditativ. Man sticht auf der einen Seite ein, holt einen Faden, und dann auf der anderen Seite genau gegenüber.

Warum die Maschenprobe hier dein bester Freund ist

Früher hab ich Maschenproben gehasst. Ich wollte immer sofort loslegen. Aber beim Matratzenstich merkst du erst, warum eine Standard-Maschenprobe von 10 x 10 cm so wichtig ist. Wenn du weißt, wie viele Reihen du auf zehn Zentimetern hast, bekommst du ein Gefühl für den Rhythmus der Stiche. Wenn ich an meine Anfänge im letzten Frühjahr denke, wo ich nur Knoten produziert habe, ist das jetzt echtes Profi-Feeling – auch wenn ich immer noch jede zweite Minute nachschauen muss, ob ich auch wirklich in der richtigen Spalte bin.

Was ich diese Woche gelernt habe: Nimm niemals einen zu kurzen Faden. Es gibt nichts Nervigeres, als mitten in der Seitennaht neu ansetzen zu müssen. Ich nehme jetzt immer das Originalgarn, es sei denn, es ist extrem flauschig und reißt leicht. Aber normales Sockengarn oder Merinowolle funktioniert super.

Detailaufnahme einer Strickkante, bei der eine Nadel die Querfäden für den Matratzenstich aufnimmt.

Mein Geheimtipp: Die Anti-Mathe-Methode

Jetzt kommt etwas, das in keinem Lehrbuch steht, aber mir den Arsch gerettet hat. Man liest überall, dass man mathematisch exakt Stich für Stich, Reihe für Reihe verbinden muss. Reihe 1 an Reihe 1, Reihe 2 an Reihe 2. Ich hab das versucht und bin wahnsinnig geworden. Irgendwie hat es sich trotzdem immer verschoben, vielleicht weil ich beim Stricken an der Maschine mal ein bisschen fester und mal lockerer am Gestrick gezogen habe.

Meine Erfahrung: Vergiss das exakte Abzählen von Maschenreihen, wenn es dich stresst. Ein leichtes Dehnen beim Nähen erzeugt oft ein viel glatteres Nahtbild als der mathematisch perfekte Stich-zu-Stich-Anschluss. Ich schaue mir die Kanten an, stecke sie alle paar Zentimeter mit einer Sicherheitsnadel zusammen und sorge dafür, dass die Markierungen passen. Wenn dazwischen mal eine Reihe „übrig“ bleibt, wird die einfach sanft weggemogelt. Das Gestrick ist ja elastisch! Seit ich das so mache, sehen meine Nähte viel natürlicher aus und ziehen sich nicht mehr so zusammen.

Das ist ein bisschen wie beim Kochen: Manchmal schmeckt es besser, wenn man nach Gefühl würzt, statt sich sklavisch an das Rezept zu halten. Falls du übrigens noch Probleme mit den Anfängen hast, ich hab da mal was darüber geschrieben, wie ich Bündchen stricken ohne Doppelbett an der Brother lerne – das ist ja oft die Basis für die Teile, die wir später zusammennähen wollen.

Das magische Geräusch des Erfolgs

Das Beste am Matratzenstich ist der Moment, in dem man den Faden festzieht. Man hat erst diese lockere „Leiter“ zwischen den beiden Strickstücken und dann zieht man vorsichtig am Faden. Da ist es: Das sanfte „Ratsch“-Geräusch und der leichte Widerstand, wenn der Faden die beiden Strickkanten perfekt ineinander gleiten lässt. Es ist wie Zauberei. In einer Sekunde hast du zwei separate Lappen Wolle, in der nächsten eine fast unsichtbare Verbindung.

Ich saß da an meinem Tisch, die Lampe tief über das Gestrick gebeugt, und hab mich gefreut wie ein Schneekönig. Keine Wurstnaht mehr. Keine dicken Knubbel unter dem Arm. Es sieht einfach... echt aus. Nicht wie „selbstgemacht und man sieht’s“, sondern wie „selbstgemacht und stolz drauf“.

Eine fertiggestellte, fast unsichtbare Matratzenstich-Naht auf einem gestrickten Stoffstück.

Was diese Woche schiefgegangen ist (ja, immer noch!)

Natürlich lief nicht alles glatt. Ich hab bei einer Naht so konzentriert auf die Querfäden gestarrt, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie ich langsam in die falsche Maschenspalte abgedriftet bin. Am Ende hatte ich oben am Ärmelloch einen Versatz von fast zwei Zentimetern. Da hilft dann nur: Atmen, nicht fluchen, und alles wieder aufziehen. Aber hey, ich lerne ja noch. Ich bin keine Profi-Strickerin und werde es vielleicht auch nie – aber mein Lerntagebuch ist diese Woche um eine wichtige Erkenntnis reicher.

Wenn du dich auch noch mit den Werkzeugen schwertust, schau dir mal meinen Beitrag an, wo ich das Maschen umhängen mit dem Deckerkamm erkläre. Das sind so diese kleinen Handgriffe, die einem am Anfang den Schweiß auf die Stirn treiben, aber irgendwann gehen sie in Fleisch und Blut über. Genau wie der Matratzenstich.

Mein Fazit für heute: Hab keine Angst vor dem Zusammennähen. Es ist der letzte Schritt, ja, und man will fertig werden, aber lass dir Zeit. Der Matratzenstich ist wirklich der Schlüssel zu einem Ergebnis, das man auch gerne draußen trägt, ohne sich zu verstecken. Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt – denk an meine Wurstnaht. Schlimmer kann es kaum werden!