Brother Strickmaschine Nadelpositionen: Was die Buchstaben A B D E bedeuten

Brother Strickmaschine Nadelpositionen: Was die Buchstaben A B D E bedeuten

Eines Dienstagsabends im letzten Oktober saß ich in meiner kleinen Hobby-Ecke hier in Augsburg und starrte fassungslos auf ein massives Vogelnest aus Wolle, das unter meinem Schlitten klemmte. Nur weil ich eine einzige Nadel ein Stückchen zu weit nach vorne geschoben hatte. Ich sag's dir, wie es ist: Ich war kurz davor, das ganze 60-Euro-Teil vom Flohmarkt einfach aus dem Fenster zu werfen.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich mich über das kalte Metallbett meiner alten Brother beugte. Dieser typische, ölige Geruch von altem Maschinenfett stieg mir in die Nase, während ich mit einer Lupe versuchte, diese winzigen, eingravierten Buchstaben zu entziffern: A, B, D und E. Vier Buchstaben, die darüber entscheiden, ob man einen wunderschönen Schal produziert oder einen Nervenzusammenbruch bekommt.

Das Rätsel der vier Buchstaben am Nadelbett

Als ich im Frühjahr 2025 mit dem Maschinenstricken anfing, dachte ich naiverweise, Stricken sei Stricken. Aber meine Brother KH-Serie hat 200 Nadeln, und jede einzelne davon scheint ein Eigenleben zu führen. Der Abstand zwischen ihnen beträgt genau 4,5 mm – das ist der Standard für einen sogenannten Feinstricker. Wenn man da eine Nadel falsch parkt, ist das wie beim Einparken in der Augsburger Innenstadt: Ein Zentimeter daneben, und alles steht still.

Mein größter Fehler am Anfang? Ich dachte, das 'A' stünde für 'Anfang'. Also hab ich alle Nadeln auf A geschoben und mich gewundert, warum der Schlitten einfach darüber hinweggleitet, ohne auch nur einen einzigen Faden zu greifen. Spoiler: Die Maschine hat mich einfach ignoriert. Es war, als würde ich versuchen, Suppe mit einer Gabel zu essen – völlig am Ziel vorbei.

Nahaufnahme der Nadelposition A an einer Brother Strickmaschine.

Position A: Die Parklücke (Außer Betrieb)

Nach etwa vier Wochen, in denen ich eigentlich nur Knoten produziert habe, kam die Erkenntnis. Position A ist die 'Nicht-Strick-Position'. Wenn die Nadeln ganz hinten am Anschlag stehen, sind sie quasi im Feierabend. Der Schlitten fährt oben drüber, die Nadelköpfe sind zu weit weg, um den Faden zu schnappen.

Das ist super, wenn man zum Beispiel nur mit 100 der insgesamt 200 Nadeln stricken will. Die restlichen lässt man einfach auf A 'parken'. Aber wenn man eigentlich stricken will und die Nadeln stehen dort, passiert eben gar nichts. Ich hab damals sicher drei Stunden damit verbracht, den Fehler bei der Wolle zu suchen, dabei waren die Nadeln einfach nur faul im Urlaub auf Position A.

Ich hab mir damals sogar ein kleines Glossar der Maschinenstrick-Begriffe für Anfänger angelegt, weil ich sonst völlig den Überblick verloren hätte. Man kommt sich am Anfang echt ein bisschen dumm vor, wenn man vor so viel Technik steht und nicht mal weiß, wo man die Nadeln hinschieben soll.

Position B: Die Home Base (Strickposition)

Position B ist dein bester Freund. Das ist die normale Arbeitsposition. Hier stehen die Nadeln ein kleines Stück weiter vorne als bei A. Wenn du ganz normales glatt rechts stricken willst, müssen alle Nadeln, die du benutzen möchtest, in Position B stehen.

In dieser Position greifen die Nadeln den Faden, die Zungen öffnen und schließen sich brav, und das Gestrick wächst. Es ist wie beim Häkeln: Wenn man die Nadel richtig hält, klappt es. In Position B ist die Welt noch in Ordnung. Wenn man hier die Nadeln bewegt, merkt man erst richtig, warum die Sperrschiene bei der Brother Strickmaschine so wichtig ist – sie hält die Nadeln nämlich mit dem richtigen Druck nach unten, damit sie nicht unkontrolliert hin- und herwackeln.

Strickmaschinennadeln in Arbeitsposition B mit eingehängtem Garn.

Position D: Das mysteriöse Dazwischen

Dann gibt es da noch Position D. Das war für mich lange Zeit ein Buch mit sieben Siegeln. Die Nadeln stehen hier noch ein Stück weiter vorne als bei B. Bei vielen Brother-Modellen wird diese Position für Muster verwendet, zum Beispiel wenn man mit Lochkarten arbeitet. Die Maschine schiebt dann bestimmte Nadeln auf D vor, um sie für das Muster vorzuwählen.

Ich nenne es immer die 'Achtung-gleich-passiert-was-Position'. Wenn du kein Muster strickst, solltest du die Nadeln hier eigentlich nicht parken. Aber – und das ist der Clou – wenn man manuell Muster strickt, schiebt man die Nadeln oft auf D vor, damit der Schlitten weiß: 'Ah, mit der hier soll ich was Besonderes machen'.

Vielleicht liegt es auch daran, wie ich mein Strickmaschine Zubehör platzsparend und übersichtlich organisiere, dass ich meine Nadelschieber jetzt immer griffbereit habe. Mit diesen Plastikkämmen kann man nämlich ganz einfach jede zweite oder jede dritte Nadel auf D vorschieben, ohne sie einzeln mit dem Fingernagel vorpuhlen zu müssen.

Position E: Die Extrem-Position (Haltestellung)

Und dann kam Position E. Ganz vorne. Die Nadeln sind so weit draußen, dass man denkt, sie fallen gleich raus. Das ist die sogenannte 'Holding Position' oder Haltestellung. Und hier ist mir mein schlimmster Fehler passiert.

Ich wollte eine Ferse stricken (ja, ich war größenwahnsinnig) und hab die Nadeln auf E geschoben. Was ich nicht wusste: Wenn man die Nadeln auf E schiebt, MUSS man am Schlitten die Russell-Hebel (diese kleinen Schalter an der Seite) umstellen. Wenn man das nicht tut und mit Schwung drüberfährt...

Es gab diesen einen Moment, an den ich heute noch mit Gänsehaut denke. Ein widerliches, metallisches 'Knirschen'. Der Schlitten knallte gegen die Nadeln in E-Position, weil die Hebel falsch standen und der Schlitten versuchte, die Nadeln mit Gewalt zurückzuschieben, was in dem Modus aber physikalisch gar nicht ging. Ich dachte echt, ich hätte das 40 Jahre alte Plastik meiner Brother jetzt endgültig geschrottet.

Nahaufnahme der Russell-Hebel am Schlitten einer Brother Strickmaschine.

Der Aha-Moment: Es ist nicht nur die Position

Mein eigentlicher Durchbruch war die Erkenntnis, dass die Buchstaben A, B, D und E allein gar nichts bedeuten. Das ist die 'Inner Truth', die einem kein Handbuch so richtig erklärt: Was passiert, hängt zu 90 % davon ab, wie dein Schlitten eingestellt ist.

Die Nadelposition gibt dem Schlitten nur die Möglichkeit, etwas zu tun. Wenn du die Russell-Hebel auf 'N' hast, strickt der Schlitten Nadeln in E-Position einfach ganz normal ab. Wenn sie auf 'H' stehen, ignoriert er sie. Das heißt, die strikte Fixierung darauf, dass E 'immer' Haltestellung bedeutet, führt Anfänger wie mich total in die Irre. Man muss lernen, dass Schlitten und Nadelposition wie ein altes Ehepaar zusammenarbeiten müssen – wenn einer nicht zuhört, gibt's Krach.

Heute, Monate später, schaue ich in mein Lerntagebuch und muss schmunzeln. In jener Woche im Oktober hatte ich notiert: '4 Stunden gekämpft, 0 Reihen geschafft, 1 Nadel verbogen (Kosten: 1,50 Euro für Ersatznadel)'. Aber heute weiß ich: Das Verständnis dieser vier Positionen war der Moment, in dem ich aufgehört habe, gegen die Maschine zu kämpfen, und angefangen habe, wirklich zu stricken.

Wenn du also auch gerade vor deiner Brother sitzt und dich fragst, warum zum Geier sie schon wieder alles fallen lässt: Atme tief durch. Schau dir die Nadeln an. Stehen sie auf B? Sind die Hebel am Schlitten richtig? Es ist wie beim Backen – wenn man die Temperatur falsch einstellt, hilft auch das beste Rezept nichts. Aber wenn man es einmal raus hat, dann flutscht es!