Verkürzte Reihen an der Strickmaschine stricken für einfache Sockenfersen

Verkürzte Reihen an der Strickmaschine stricken für einfache Sockenfersen

Es ist Ende November, draußen ist es dieses typische Augsburger Grau und das Wohnzimmerlicht spiegelt sich so richtig fies im Metallschlitten meiner Brother. Ich sitze davor, den Rücken krumm, und starre auf dieses halbfertige Etwas aus blauer Wolle. Mein Herz klopft, kein Witz. Ich habe geradezu panische Angst, diesen kleinen Hebel am Schlitten auf 'H' zu stellen. Ich bilde mir ein, dass in dem Moment, in dem ich das tue, das ganze Gestrick einfach mit einem lauten Seufzer von den Nadeln rutscht und sich auf dem Teppich verteilt.

Ich bin Marlies, 38, und falls du neu hier bist: Ich habe im Frühjahr 2025 auf dem Flohmarkt eine alte Brother für 60 Euro geschossen. Seitdem führen wir eine sehr komplizierte Beziehung. Die ersten drei Wochen habe ich eigentlich nur Knoten produziert. Aber jetzt, nach acht Monaten, wollte ich es wissen. Mein Mann wünscht sich Socken. Und wie wir alle wissen, ist die Ferse beim Sockenstricken der Endgegner. Wer häkeln kann – so wie ich früher –, der lacht über eine Ferse, aber an der Maschine? Das ist eine ganz andere Hausnummer.

Warum verkürzte Reihen eigentlich nur Urlaub für Nadeln sind

In meinem Lerntagebuch steht für die Zeit nach dem Kauf: 'Drei Wochen lang nur gerade Schals gestrickt. Langweilig.' Ich musste also ran an die verkürzten Reihen. Für alle, die genauso viel Angst vor der Technik haben wie ich am Anfang: Verkürzte Reihen bedeuten eigentlich nur, dass man manche Nadeln kurz in den Urlaub schickt. Man strickt nicht über die ganze Breite von 200 Nadeln (die meine Brother theoretisch hat, auch wenn ich für Socken natürlich weniger brauche), sondern lässt den Schlitten nur über einen Teil sausen.

Damit die Nadeln aber wissen, dass sie Pause haben, muss man sie in die richtige Position schieben. Bei meiner Brother ist das die E-Position. Das ist so ein bisschen wie im Büro – wenn ich meinen 'Bin in der Mittagspause'-Aufsteller auf den Schreibtisch stelle, darf mich auch keiner ansprechen. Aber damit der Schlitten das kapiert, muss man eben die Russell-Hebel auf 'H' stellen. Ohne das rattert er einfach drüber und strickt trotzdem. Und genau da fing mein Drama an.

Nahaufnahme der Nadeln in E-Position an einer Brother Strickmaschine für verkürzte Reihen.

Ich benutze ganz normale 4-fädig Sockenwolle. Die ist stabil, verzeiht viel, aber an diesem Abend im November hat sie mir den letzten Nerv geraubt. Ich hatte den Schlitten falsch eingestellt und – zack – die Nadeln, die eigentlich warten sollten, wurden mitgezogen. Ein Geräusch wie eine kaputte Kaffeemühle. Falls du dich auch fragst, was diese ganzen Knöpfe eigentlich machen, ich hab da mal was aufgeschrieben: Was bedeuten die Schlitten Einstellungen bei der Brother Strickmaschine genau? Das hätte ich an dem Abend mal lieber vorher gelesen.

Das metallische Klackern des Grauens: Mein größter Fehler

Während der Weihnachtsfeiertage dachte ich: Jetzt habe ich Zeit. Ruhe. Besinnlichkeit. Von wegen. Ich saß an der Maschine und habe versucht, die Ferse nach einer Anleitung aus einem alten Forum zu stricken. Man schiebt in jeder Reihe eine Nadel mehr in die Halteposition. Das Gestrick wird in der Mitte immer breiter und an den Seiten kürzer – so entsteht die Rundung der Ferse. Eigentlich logisch, oder? Wie ein Pfannkuchen, den man in der Mitte dicker lässt.

Aber was ich völlig unterschätzt habe, sind die Gewichte. Bei einer Sockenferse wird das Gestrick an einer Stelle ganz dick und knubbelig. Wenn man da keine Krallengewichte reinhängt, wandert die Wolle nach oben. Das kalte, ölige Metall der Nadeln an meinen Fingerspitzen, während ich den Faden manuell um die erste Nadel in Halteposition lege, hat sich fast schon professionell angefühlt. Ich dachte: 'Marlies, du hast es voll drauf.' Und genau in dem Moment passierte es.

Das metallische Klackern, wenn das Krallengewicht zu Boden fällt, gefolgt von der Stille, wenn man sieht, dass 20 Maschen verloren sind. Einfach weg. Vom Haken gehüpft. Das Gewicht war abgerutscht, weil ich zu gierig war und es nicht rechtzeitig nachgehängt habe. Ich stand da, die Reste meiner 4-fädigen Wolle hingen traurig in der Luft und ich hätte fast geheult. 60 Euro für die Maschine und ich bin zu doof, ein Gewicht einzuhängen.

Der Heureka-Moment: Es ist die Spannung, nicht die Technik

An einem verregneten Sonntag im März saß ich wieder dran. Ich hatte inzwischen gelernt, wie wichtig die Vorbereitung ist. Wer seine Wolle nicht ordentlich wickelt, hat sowieso schon verloren. Ich mache das jetzt immer ganz penibel, so wie ich früher meine Häkelwolle sortiert habe. Falls du da Tipps brauchst, schau dir an, wie man Wolle für die Strickmaschine richtig wickelt und vorbereitet.

Aber der eigentliche Durchbruch kam, als ich aufhörte, nur starr nach Anleitung zu zählen. Überall liest man: 'Du musst den Faden um die Nadel wickeln, damit keine Löcher entstehen.' Ja, das stimmt. Aber mein contrarian-Tipp für dich: Vergiss das penible Zählen der Wickelmaschen für einen Moment. Für eine wirklich dichte Ferse ist die exakte Fadenspannung beim Wenden viel wichtiger als die perfekte Technik der verkürzten Reihen selbst.

Ich habe gemerkt, dass ich den Faden beim Zurückfahren des Schlittens ganz leicht mit der Hand führen muss. Nicht fest ziehen, nur so ein bisschen 'Führung' geben, wie man ein Kind an der Hand hält. Plötzlich waren die Löcher weg. Es war kein Hexenwerk mehr. Es war Gefühl. In meinem Tagebuch steht an diesem Tag nur ein Wort in Großbuchstaben: HEUREKA. Ich hatte verstanden, dass die Maschine zwar die Arbeit macht, aber ich die Chefin der Spannung bin.

Die Bildung einer Sockenferse an der Strickmaschine mit eingehängten Krallengewichten.

Anfang Juni: Die erste Socke, die keine Angst macht

Jetzt ist es Anfang Juni und ich halte sie in der Hand: Die erste Socke, die nicht wie ein unförmiger Sack aussieht. Sie hat eine echte Ferse. Sie ist nicht perfekt – an einer Stelle habe ich wohl doch mal kurz geträumt –, aber sie ist eine Socke. Wenn ich in mein Lerntagebuch schaue, sehe ich die nackten Zahlen: Etwa 12 Stunden reine Übungszeit nur für diese blöde Ferse. 12 Stunden fluchen, Gewichte vom Boden aufheben und Wolle aufribbeln.

Ehrlich gesagt, am Anfang war ich oft kurz davor, das Teil wieder auf den Flohmarkt zu bringen. Vielleicht hätte ich mir viel Ärger gespart, wenn ich früher gewusst hätte, warum sich der Kauf der gläsernen Strickmaschine für jeden Anfänger lohnt, aber nun ja, ich habe eben meine alte Brother und wir haben uns jetzt zusammengerauft. Die verkürzten Reihen sind kein Schreckgespenst mehr für mich.

Wenn du also auch gerade vor deiner Maschine sitzt und dich nicht traust, die Russell-Hebel umzulegen: Mach es einfach. Schieb die Nadeln in E-Position. Ja, es wird vielleicht klackern. Ja, vielleicht fällt mal ein Gewicht runter. Aber dieses Gefühl, wenn der Schlitten über die verkürzte Reihe gleitet und du siehst, wie sich das Gestrick langsam formt – das ist besser als jeder Feierabend im Architekturbüro. Es ist wie beim Backen: Der erste Pfannkuchen wird nie was, aber der zweite schmeckt dafür umso besser.

Was ich gelernt habe: Hab keine Angst vor den Nadeln. Sie sind aus Metall, sie haben keine Gefühle, aber sie reagieren auf deine Ruhe. Und wenn es gar nicht klappt? Dann mach die Maschine aus, geh in die Küche, koch dir einen Kaffee und probier es morgen wieder. Die Brother läuft nicht weg. Und die Sockenwolle auch nicht.